Oaxaca – Künstlerstadt mit kolonialem Charme

Titelbild Startseite: Die Kuppel der Kirche Santo Domingo in Oaxaca. Foto: Christan Heeb
Von Herdis Lüke

Oaxaca, die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats in Südmexiko, ist seit jeher ein Touristenmagnet – egal um welche Jahreszeit. Besonders schön ist Oaxaca in den Monaten Februar, März und April, wenn unzählige blühende Jacaranda-Bäume die Stadt in einen blasslila Schleier hüllen. Aber auch die Regenzeit von Juni bis Ende Oktober hat seinen besonderen Reiz: Dann strahlt die Natur – vor allem in der archäologischen Stätte Monte Albán – in üppigem, satten Grün. So sind es besonders die farbigen Kontraste, die schon Generationen von Malern inspiriert und Oaxaca zur künstlerischen Avantgarde Mexikos gemacht haben.

Wer einmal hier gewesen ist, will immer wieder kommen. Zu entdecken gibt es immer wieder Neues. Oaxaca ist mit seinem kolonialen Zentrum – seit 1987 Weltkulturerbe der Unesco – seinen majestätischen Kirchen und Kathedralen, romantischen Gassen mit vielen kleinen, idyllischen Hotels und Pensionen und dem zu jeder Tages- und Nachtzeit quirligen Zócalo eine Bereicherung für die Sinne. Auch klimatisch ist die Stadt auf Grund ihres ganzjährig frühlings- bis sommerhaften Klimas sehr angenehm.

Wandbild von Arturo García Bustos

Wandbild von Arturo García Bustos.

Wandbild von Arturo García Bustos

Wandbild von Arturo García Bustos.

Oaxaca ist eine der Hochburgen der bildenden Künste des Landes, wozu der berühmte Sohn der Stadt, Francisco Toledo, aber auch der Maler Arturo García Bustos ihren Beitrag geleistet haben. Arturo García Bustos ist einer der herausragenden zeitgenössischen Maler und Graphiker Mexikos. Im Treppenhaus des Regierungspalastes hat er die Geschichte des Staates in farbenfrohen, eindrucksvollen Bildern nachgemalt. Francisco Toledo hat seiner Heimatstadt nicht nur seine gesammelten grafischen Werke vermacht, die in dem von ihm initiierten Museum für Moderne Kunst (Museo de Arte Contemporáneo) zu sehen sind.

Wer künstlerisch etwas auf sich hält, hat zumindest einmal eine Weile in Oaxaca gelebt und in einer der unzähligen Galerien und Kunstmärkte seine Werke ausgestellt. In der Bodega Quetzalli in der Calle Murguía – der Name ist Programm: Bodega heißt Lager, und hier findet man eine beeindruckende Zahl an Werken bekannter zeitgenössischer Künstler Mexikos, allen voran narürlich Toledo, aber auch Namen wie José Fors, Ricardo Pinto Gollas und Demián Flores Cortés, die sich weit über Mexiko hinaius einen Namen gemacht haben.

Klar, dass in einer so auf Kunst und Intellekt ausgerichteten Stadt viel los ist in den Restaurants, Cafés, Bars und Nachtklubs oder den Mezcal-Schänken. Dafür lohnt es sich, auch mal die Wege abseits der Touristen-Promenade Corredor Turístico zu gehen und sich auf Entdeckungsreise zu begeben. Manche künstlerische Überraschung wartet da in Galerien und Musikbars.

Und überhaupt der Zócalo, Zentrum (fast) allen Lebens wie überall in Mexiko: Hier lässt es sich herrlich flanieren und abends bei einem kalten Bier das fröhliche Treiben beobachten. Die Restaurants sind hier zwar nicht gerade eine Empfehlung für Gourmets, aber hier lässt es sich gut und preiswert frühstücken und mittags essen, comida corrida nennt sich das Menü.

In der Altstadt von Oaxaca

Corredor Turístico in Oaxaca.

Am Zócalo von Oaxaca

Am Zócalo von Oaxaca

 

Die koloniale Architektur der Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, ist beeindruckend – egal ob Universität, Regierungspalast und die wuchtige Kathedrale am Zócalo, oder die vielen kleinen und großen Kirchen. Besonders der Templo Santo Domingo des gleichnamigen ehemaligen Klosters am Ende des Corredor Turístico ist ein eindringliched Beispiel für die barocke Architektur der spanischen Kolonie in Mexiko. Das Kirchenschiff erstrahlt in Gold, und die Schnitzereien an Decken und Wänden belegen die einzigartige Kreativität und Kunstfertigkeit der Indios, die am Bau gearbeitet haben. Im ehemaligen Kloster, das als eines der größten Bauten des ehemaligen spanischen Vizekönigreichs in Mexiko und sogar ganz Amerika gilt, ist das Centro Cultural Santo Domingo mit dem Museo de las Culturas de Oaxaca untergebracht. Pädagogisch und didaktisch geschickt strukturiert, lernt der Besucher hier die faszinierende Kulturgeschichte des Staates kennen. Hier sind auch die sagenhaften Schätze zu sehen, die bei den Ausgrabungen in den Pyramiden-Anlagen von Monte Albán und Mitla gefunden und geborgen wurden. Im Garten des ehemaligen Klosters ist außerdem der ethnobiologische Garten zu bewundern.

Sehenswert ist aber auch die Basilica de la Soledad aus dem 17. Jahrhundert, die der Patronin der Oaxaqueños geweiht ist: Der Jungfrau der Einsamkeit. Liebevoll wird die Jungfrau je nach dem, welches religiöse Fest ansteht, umgekleidet. Täglich pilgern Gläubige zu der Heiligen, um ihr ihre Wünsche mitzuteilen und per Brief oder Bild am Fuße des Altars zu hinterlegen in der Hoffnung und dem festen Glauben, dass sie erfüllt werden.

Die Küche von Oaxaca: Eine kulinarische Offenbarung

Niemand sollte sich in Oaxaca die Küche entgehen lassen: Die Mole aus Oaxaca ist berühmt – von gerösteten Heuschrecken und Würmern ganz zu schweigen. Entlang des Corredor Turístico und in seinen Seitenstraßen gibt es viele kleine Restaurants, die von lokaler bis zu internationaler Gourmet-Küche alles bieten. Und wer Lust auf Süßes hat, braucht vom Zócalo an nur seiner Nase zu folgen. In der Calle Mina reiht sich ein Schokoladengeschäft ans andere. Hier kann man nicht nur beobachten, wie sie zu zubereitet wird. Hier darf, nein muss der Besucher so lange kosten, bis er nicht wenigstens eine Tüte, besser noch eine ganze Batterie von Schokoladentafeln gekauft hat.

Kakaofrucht

Die Kakaofrucht.

Auf dem Markt in Oaxaca

Chilischoten auf dem Markt

Oaxaca for Honeymooners

Oaxaca ist besonders bei Liebespärchen und Hochzeitsreisenden beliebt. Jedes Wochenende ist das Camino Real, ein ehemaliges Kloster aus dem 16. Jahrhundert, das heute ein wunderschönes 5-Sterne-Hotel beherbergt, bevölkert von Hochzeitspaaren, die sich hier in der romantischen Umgebung, in den mit Blumen übersäten prachtvollen Innenhöfen ablichten lassen.

Ex-Kloster Santa Catarina de Siena

Das Ex-Kloster Santa Catarina de Siena

Patio im Hotel Camino Real

Patio im Hotel Camino Real

Einige der ehemaligen herrschaftlichen Häuser sind zu romantischen kleinen Hotels umgebaut worden, wozu auch das Hotel Aitana in der Calle Sabino Crespo gehört, ein Haus aus dem 17. Jahrhundert, das einer kleinen spanischen Investoren-Gruppe gehört. Und wer Oaxaca abseits des Trubels im Zentrum genießen, die Seele baumeln und sich verwöhnen lassen möchte, ist bei Peter Kaiser in der Hacienda de Los Laureles, einem traumhaften Wellness-Hotel (Hidalgo 21, San Felipe del Agua), richtig aufgehoben. Ebenfalls im Stadtteil San Felipe del Agua liegt das Hotel Misión. Zwar schon etwas in die Jahre gekommen, zeichnet es sich aber für seinen weiten Garten und seinen großen Pool aus, was nach einem anstrengenden Tag in den Pyramiden von Monte Albán und Mitla nicht zu verachten ist. Ausgezeichnet ist auch die Küche des Hotels – das Buffet am Morgen und am Mittag bietet die ganze Palette der regionalen Spezialitäten.

In der Mezcaloteca in Oaxaca. Foto: Elías Felipe

In der Mezcaloteca in Oaxaca. Foto: Elías Felipe

Typisch für Oaxaca: Schwarzer Ton. Foto: Elías Felipe

Schwarzer Ton aus Oaxaca. Foto: Elías Felipe

Berühmt ist Oaxaca auch für seinen Mezcal. Man nennt den Agavenschnaps auch den “ruppigen Bruder” des Tequila. Charakteristisch für den Mezcal aus Oaxaca ist sein rauchiger Geschmack, der daher rührt, dass die Maische über Holzfeuer gekocht wird. Unsinn aber, so erklärt man den Besuchern in der “Mezcaloteca” – eine Mezcal-Bar ausschließlich zur Degustation von Mezcal in der Reforma 506 in der Altstadt – ist der Wurm im Mezcal. “Das ist nur für die Touristen so gemacht. In Wirklichkeit nimmt der Wurm dem Mezcal sogar sein Aroma”, betont Mezcaloteca-Chef Agustín. In der Mezcaloteca gibt es Mezcal aus ganz Mexiko zu probieren.

Spannend ist in jeder Hinsicht ein Bummel durch den Zentralmarkt von Oaxaca, Central de Abastos genannt. Hier kann der Besucher die berühmten Händlerinnen aus Juchitán beobachten, wie sie, beleibt und in farbenprächtige bestickte Blusen und Röcke gekleidet, selbstbewusst und mit bewunderungswürdiger Souveränität ihren Geschäften nachgehen. Sie bilden einen starken Kontrast zu den ambulanten Händlerinnen, Indio-Frauen, die aus den Bergen kommen, arm und mager, mit ihren Kindern im Schlepptau, die kunstvoll gearbeitete Holzlöffel oder bemalte Brieföffner aus Holz an die Touristen zu verkaufen versuchen. Aber hier stolpert der Besucher auch über immense Körbe gerösteter Heuschrecken und Würmer oder Chilischoten und Bohnen. Ein Muss ist natürlich auch der Kunsthandwerkermarkt (Mercado de Artesanías).

Über Herdis

Die deutsche Journalistin und Autorin Herdis Lüke hat Mexiko zu ihrer Wahlheimat gemacht. Das erste Mal lebte sie bereits von 1974 bis 1976 und von 1978 bis 1986 in Mexiko. Auch während ihrer 20 Jahre als Journalistin in Hamburg hat sie Mexiko immer wieder besucht und darüber geschrieben - als Autorin u. a. in den Mexiko-Travelnews. Seit 2006 lebt sie wieder permanent in Mexiko.