Auf den Spuren von Cortéz: La Antigua wird restauriert

Veracruz, 14. Januar (MTN) – Noch liegt das kleine Fischerdorf La Antigua unweit der Hafenstadt Veracruz am Golf von Mexiko im Dornröschenschlaf. Baumwurzeln überwuchern die Ruine des Hauses, in dem, so behaupten die Bewohner, einst der Eroberer von Mexiko, Hernán Cortéz, gewohnt haben soll. Denn hier, in la Antigua, und nicht in Veracruz, soll der Spanier am Karfreitag des Jahres 1519 erstmals mexikanischen Boden betreten haben. Einzig die Kapelle des kleinen, dem Verfall preisgegebenen Fischerorts strahlt in neuem Glanz.

La Antigua

Kraftige Baumwuzeln umkrallen die Mauern der Casa Cortéz. Foto: Herdis Lüke

Jetzt soll La Antigua mit Hilfe eines umfangreichen Restaurierungsprogramms des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH, Instituto Nacional de Antropologí­a e Historia) zu einer touristischen Attraktion werden. Angefangen wird mit dem Wohnhaus “Casa de Cortéz”. Ein Park und eine Uferpromenade entlang des Flusses Huitzilapan, der hier in den Golf von Mexiko mündet, sollen angelegt sowie ein Kunsthandwerkermarkt gebaut werden. Die elektrischen Kabel, die noch wie ein Netz über Straßen und Dachern hangen, sollen unterirdisch verlegt, die alten Kopfsteinstraßen wieder hergestellt und eine dem historischen Ortsbild angepasste Straßenbeleuchtung installiert werden.

La  Antigua

Die Kapelle in La Antigua. Foto: Herdis Lüke

Es gibt keine Bestätigung dafür, dass Cortéz das Haus tatsächlich bewohnt hat. Nach INAH-Angaben wurde das Gebäude im 16. Jahrhundert als eine Art Arbeitsamt (Casa de contratación) eingerichtet. Die Wurzeln haben zwar schwere Schäden angerichtet, gleichzeitig aber dienten sie auch als Stütze der verbliebenen Mauern. Weitere Attraktionen des noch verschlafenen Ortes sind die kleine Kapelle, die angeblich die erste gewesen sein soll, die in Mexiko gebaut wurde, eine Einsiedelei, ein Quartier von Mexikos Revolutionshelden Emiliano Zapata sowie die Wallfahrtskirche Santo Cristo del Buen Viaje. Üppig ist die tropische Vegetation am Ufer des Huitzilapan, wo man sich Boote für Exkursionen in die Mündung mieten kann.

La Antigua

Die Mündung des Huitzilapan bei La Antigua. Foto: Herdis Lüke

In Veracruz beginnt die so genannte Ruta de Cortés. Über la Antigua führt sie nach Zempoala Richtung Norden. Die archäologische Stätte war einmal die Hauptstadt der Totonaken, die die fremden bärtigen Eroberer bei ihrem Marsch auf Tenochtitlán, die einstige Hauptstadt der Azteken, unterstützten. Aus dieser Zeit ist der auf mehreren Plattformen ausgebreitete Zeremonial-Bezirk erhalten geblieben, an dessen Ostseite sich der “Palacio Las Chimineas” erhebt, der “Templo Mayor” des Totonakenfürsten. Die ausgehöhlten Säulen und Nischen haben ihm die Bezeichnung “Palast der Kamine” eingebracht. Weiter nach Norden geht es über die Costa Esmeralda nach Papantla und die archäologische Stätte El Tajin mit der berühmten Nischenpyramide.

Veracruz

Die Nischenpyramide in El Tajá­n in Veracruz. Foto: Herdis Lüke

Der Bundesstaat Veracruz gilt als einer der landschaftlich faszinierendsten und vielseitigsten in Mexiko. Eine der schönsten Routen führt Richtung Südosten. Kurz hinter Boca del Rí­o führt die Landstraße in die Region Los Tuxtlas mit dem Catemaco-See und dem malerischen Ort Tlacotalpan an der Mündung des Papaloapan. Berühmt ist das malerische Städtchen San Andrés Tuxtla für den Tabak, der hier angebaut wird und der die besten Zigarren liefert. Denen Kubas stehen sie in nichts nach. Tlacotalpan gehört wegen seiner herrlichen kolonialen Architektur zum Unesco-Weltkulturerbe. Charakteristisch sind die schattigen Arkaden, die bunten Fassaden mit ihren großen, hinter mächtigen Eisenstäben verborgenen Fenstern und üppig blühenden Patios. In den Herrenhäusern sind die Schätze ihrer einstigen Besitzer noch zu sehen: Pianos, erlesene Möbel, kostbares Porzellan und Textilien aus Österreich, Deutschland und Spanien.

Catemaco

Der Catemaco-See in Veracruz. Foto: Herdis Lüke

Einzigartig ist Catemaco am gleichnamigen See. Von sanften Hügeln und saftigen Weiden umsaumt, erinnert seine Landschaft ein bisschen an den Bodensee. Catemaco ist das Zentrum der Schamanen, Magiere und Hexer. Aus der ganzen Welt kommen sie hier einmal im Jahr zu ihrem “Hexenkongress” zusammen. Wer krank ist, seinen Liebhaber zurückgewinnen möchte oder Geldsegen braucht, findet hier den richtigen Zauber(er) – zum Beispiel auf der Insel Nancyaga mitten im See. Vom Anleger in Catemaco geht es in rasanter Fahrt zu dem privat betriebenen Öko- und Erlebnispark. Hier kann man sich zur Gaudi der Mitbesucher eine Schönheitsmaske aus dem Schlamm des Sees verpassen lassen – oder beim Schamanen eine “Limpia”. Mit würzigem Rauch, einem Strauß aus exotisch duftenden Kräutern, Spritzern von gesegnetem Wasser und unverständliche Worte murmelnd vertreibt er “die bösen Geister” aus dem Körper der Hilfe Suchenden. (hl)

Über Herdis

Die deutsche Journalistin und Autorin Herdis Lüke hat Mexiko zu ihrer Wahlheimat gemacht. Das erste Mal lebte sie bereits von 1974 bis 1976 und von 1978 bis 1986 in Mexiko. Auch während ihrer 20 Jahre als Journalistin in Hamburg hat sie Mexiko immer wieder besucht und darüber geschrieben - als Autorin u. a. in den Mexiko-Travelnews. Seit 2006 lebt sie wieder permanent in Mexiko.