Von Herdis LükeEine unerschöpfliche Quelle der Inspiration für Künstler und Literaten
Mexiko ist ein Land, das sich zwischen Tradition und Moderne bewegt. Das reiche kulturelle prähispanische Erbe kontrastiert mit der Armut in den großen Städten und dem Elend unter den Indianern. Gerade das mexikanische Volk gilt als künstlerisch sehr begabt, aber auch kreativ in vielen anderen Bereichen, zum Beispiel in der Architektur, im Ingenieurwesen. Beispiele sind hier der erdbebensichere U-Bahnbau und die Hydraulik in Hochhäusern.
Jedes Jahr lassen sich Millionen von Touristen von der in jeder Hinsicht faszinierenden Vielfalt Mexikos in den Bann ziehen. Da sind die pulsierenden, modernen Metropolen wie die Hauptstadt Mexico City, der “Distrito Federal”, mit rund 20 Millionen Einwohnern, Guadalajara, die Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco, und Monterrey, die Hauptstadt des Bundesstaates Nuevo Leon. Malerische Kolonialstädte wie Oaxaca, Puebla, Toluca, Morelia, San Cristobal de las Casas, Guanajuato, Querétaro, San Luis Potosí und Zacatecas brauchen einen Vergleich mit ihren Vorbildern in Spanien nicht zu scheuen. Alte Minenstädte wie die romantische Silberstadt Taxco oder die magische Geisterstadt Real de Catorce laden dazu ein, auf den Spuren der Kolonialherren zu wandern. Bezaubernd sind Städte wie Mérida in Yucatán oder die Piratenstadt Campeche, und einen besonderen Reiz hat das Schlummern und Schlemmen wie einst die Sisalbarone in den ehemaligen Haziendas auf der Halbinsel Yucatán.
Auch die Natur ist voller Gegensätze. In Mexiko ist, was die Natur betrifft, die ganze Welt zuhause. Heiße Wüste, aktive und tote Vulkane, Mittelgebirge wie der Schwarzwald oder die Vogesen, Seen wie in der Schweiz, überwältigende Bergketten, atemberaubende Schluchten, reißende Flüsse und Wasserfälle, traumhafte Buchten und Strände an kristallklaren Wassern wie an der Küste der Halbinsel Baja California und in der mexikanischen Karibik, an der wilden Pazifikküste oder am Golf von Mexiko, Regenwälder im Süden Mexikos mit einer üppigen, ja überbordenden Vegetation und einer faszinierenden Tierwelt, dichter, flacher Buschwald und unterirdische Flüsse und Lagunen auf der Halbinsel Yucatán. Vor allem in Zentralmexiko wechseln die Landschaften häufig innerhalb weniger Kilometer, wenige Höhenmeter Unterschied lassen völlig andere Welten vor den Augen entstehen. Von moderatem, mitteleuropäisch anmutendem Klima wechselt man fast unvermittelt in subtropische Oasen mit einem Reichtum an Blumen und tropischen Früchten: So stellt man sich das Schlaraffenland oder das Paradies vor.
Die majestätischen Tempelanlagen der Azteken und Tolteken im zentralen Hochland von Mexiko, die Maya-Stätten auf der Halbinsel Yucatán, Campeche und Chiapas, der Olmeken am Golf von Mexiko, der Zapoteken und Mixteken in Oaxaca sind stumme Zeugen der einstigen präkolumbinischen Hochkulturen.
Die überquellende Farbenpracht in der Natur spiegelt sich in allen Facetten des Lebens wider und beflügelt die Fantasie. Ob in der Musik, in der Literatur, in der Kunst und im Kunsthandwerk: trotz der Armut auf dem Lande und am Rande der Großstädte charakterisiert vor allem Lebensfreude, die “alegría de vivir”, das mexikanische Volk.
Mexiko ist ein sehr gastfreundliches und traditionell tolerantes Land. Vor allem seit der Revolution (1910-1917) hat es seine Pforten Menschen geöffnet, die von Diktaturen verfolgt waren oder aus anderen Gründen Asyl suchten, darunter viele Künstler und Schriftsteller. Dazu gehören berühmte Literaten wie die Deutschen Bruno Traven (“Der Schatz der Sierra Madre”), Anna Seghers (“Das siebte Kreuz”) und Egon Erwin Kisch (“Entdeckungen in Mexiko”), der Spanier Max Aub oder der Kolumbianer Gabriel García Márques, Cineasten wie der Spanier Luis Buñuel und der deutsche Kameramann und Fotograf Walter Reuter, Komponisten wie Rodolfo Halffter oder der Tenor Placido Domingo (beide Spanier), dessen Eltern vor der Franco-Diktatur in Mexiko Zuflucht fanden.
Neben den vielen Literaten haben sich auch zahlreiche Künstler von der Magie Mexikos verzaubern und inspirieren lassen. Dazu gehören die deutschstämmige Malerin aus Guatemala, Rina Lazo, der die Restaurierung der fantastischen Wandmalereien in den Maya-Ruinen von Bonampak in Chiapas und die entsprechenden Repliken im Anthropologischen Museum in Mexiko-Stadt zu verdanken sind.
Aber Mexiko hinterlässt auch Spuren bei einem selbst: Wer einmal hinter die Kulissen geschaut hat und eingetaucht ist in die manchmal surrealistisch anmutende Welt, der wird immer wieder kommen wollen.






