Abenteuerreise durch das unbekannte Mexiko
Von Herdis Lüke
Die Sierra Gorda und Huasteca Potosina gehören zu den noch fast unberührten Paradiesen im zentralen Mexiko. Voller landschaftlicher Kontraste bieten sie Abenteuer- und Ökotouristen zahlreiche Möglichkeiten sich zu entfalten, sei es beim Rappel, Kayaking, Rafting, Mountainbiken, Bergwandern, Angeln oder Klettern – oder einfach nur um die herrlichen Landschaften zu genießen.
Zwei befreundete Deutsche, die in Querétaro in Zentralmexiko leben, haben sich auf Entdeckungsreise durch die Sierra Gorda und Huasteca Potosina begeben und sich vorgenommen, Landsleuten dieses Paradies zu zeigen. Marc Metz (37), Geologe aus Coburg, und Klaus Kühlborn (47), der als Busfahrer Touristen durch ganz Europa kutschierte, sind beide in Mexiko und in der schönen Kolonialstadt und Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats Querétaro der Liebe wegen hängen geblieben. Die beiden haben eine fantastische zweiwöchige Rundreise zusammengestellt, die Klaus und Marc abwechselnd begleiten. Die zweiwöchige Rundreise ist ab sofort über Magisches Mexiko zu einem Preis ab 1 829 Euro inkl. mex. MwSt pro Person im DZ buchbar.
Die Rundreise beginnt gemächlich. In den ersten vier Tagen ist Kultur angesagt. Wir besuchen das romantische und quirlige Künstlerstädtchen San Miguel de Allende, ihre “kleine” Schwester Mineral de Pozos, die malerische Kur- und Thermalstadt Tequisquiapan und Querétaro, Unesco-Weltkulturerbe. Zeit genug, sich abends in einem der Lieblingsrestaurants von Klaus und Marc bei ein paar Bieren naher zu kommen und aus dem Leben zu plaudern. Zum Beispiel in Santa Rosa de Jáuregui, einem hübschen kleinen Dorf abseits der Touristenroute. Man merkt, dass Marc und Klaus die Gegend selbst erkundet haben. In jeder Straße gibt es Loncherías und kleine Restaurants mit riesigen, siedendheißen Töpfen davor, in denen Schweinehäute ausgelassen werden. Auf Tabletts daneben liegt das gesottene Fleisch. “Carnitas” heißt diese Spezialität des Orts. Eingerollt in Maistortillas und gewürzt mit scharfen roten und grünen Chilisaucen, dazu ein eiskaltes Bier und zum “Nachtisch” einen Pulque: Das ist Mexiko! Doch der gegorene Agavensaft ist nicht jedermanns Sache.
Marc studierte Geologie und Paläonthologie und arbeitete vier Jahre lang an einer mexikanischen Universität. Passionierter Bergsteiger mit Hang zur “Philosophie der Kulturen”, hat er in Mexiko ein ideales Umfeld gefunden. Fasziniert von der Region um Querétaro, kam ihm die Idee, diese auch anderen Menschen zu vermitteln. In Klaus hat er dafür den idealen Partner gefunden.
Klaus stammt aus Fulda. Seine Abenteuer- und Reiselust hatte ihn schon während seiner 12jährigen Bundeswehrzeit mit Auto und Motorrad durch halb Europa getrieben.Von Beruf Programmierer, hatte er irgendwann “die Nase voll davon”, und es zog ihn zurück auf die Straße. Als Lkw-Fahrer und Busfahrer kutschierte er lieber als Kapitän der Landstraßen und Autobahnen durch die schönsten Lander Europas. Die Liebe zu einer Mexikanerin brachte ihn nach Mexiko – ein wahres Paradies für eine Entdeckerseele wie Klaus.
Die Sierra Gorda: Wanderung durchs Paradies
Die Sonne brennt, über uns strahlt ein unglaublich intensiver blauer Himmel. Der grüne Jeep Cherokee steht glänzend vor der Tür. Im Nu sind Rucksacke, Stiefel und Regenzeug im Fonds untergebracht. Und los geht`s in die Sierra Gorda, mit ihren kargen Bergen und tiefen Schluchten eine der spektakulärsten Landschaften Mexikos und mit seinen Franziskaner-Missionen eine Schatztruhe der spanischen Kolonialkunst. Dazu gehören Concá, Landa de Matamoros und Jalpan.
Mit dem Peña del Bernal steht hier, in der Sierra Gorda von Querétaro, einer der größten Monolithen der Welt. 2530 m hoch, werden dem weithin sichtbaren Berg heilsame Kräfte zugesagt. Das malerische Dorf Bernal am Fuße des Monolithen gehört zu den “Magischen Orten” Mexikos, einem Programm, mit dem das Bundestourismusministerium in Mexiko-Stadt touristisch und historisch relevante Orte finanziell bei Infrastruktur- und Verschönerungsmaßnahmen unterstützt.
In Bernal haben wir die Wahl: Steigen wir zu Fuß auf den Berg oder kaufen wir lieber Souvenirs? Auf dem Weg zur Spitze ist Marc ganz in seinem Element. In den vielen Pausen für die ungeübten Bergwanderer erklärt er uns die Mystik und die Geologie dieses Giganten aus einem einzigen Stück Fels.
Und weiter geht es – ins persönliche Paradies von Klaus. In einer tiefen, schmalen Schlucht, umgeben von kargen, kaum bewachsenen Felsen, liegt “El Oasis”, eine Oase im wahrsten Sinne des Wortes, weit abseits der offiziellen Touristenrouten. Klaus war der erste Ausländer, der dieses Paradies entdeckt hat: Ein mit Quellwasser gespeistes Schwimmbad umgeben von Kokospalmen und üppiger tropischer Vegetation. Angeschlossen ist ein einfaches kleines Hotel mit neun Zimmern. Im Garten zelten mexikanische Familien. “El Paraáso” (Das Paradies), wie der Canyon heißt, hält, was sein Name verspricht. Bei einer Wanderung durch das Flussbett mit seinem fruchtbaren Ufer erklärt Marc Pflanzen und Tiere und erzählt über das Leben der Menschen hier – der wenigen, die noch hier, in den kleinen Eilanden, geblieben sind. Die meisten jungen Menschen sind fort in die USA, um dort ihr Glück zu suchen.
Mexiko hautnah
Noch vor wenigen Jahren gab es hier keinen Strom. Mit Infrastrukturmaßnahmen wie Straßenbau, Schulen und Anschluss ans Stromnetz versucht die Regierung, die Menschen an der Landflucht zu hindern und das Land wieder zu bearbeiten. Inzwischen gibt es Strom aus der Leitung – aber die hohen Stromgebühren sind für die arme Landbevölkerung hier nicht zu bezahlen. Und außerdem, erklärt Marc, die Bezahlung der Stromrechnung bedeutet für sie eine aufwändige Fahrt in die nächste Stadt. Sonnenenergie war für die Bewohner hier die einzige Alternative, um Anschluss an die moderne Welt zu bekommen. Inzwischen werden zahlreiche, abgeschiedene Regionen mit Solarzellen versorgt. Seitdem haben sich die Lebensbedingungen der Bewohner etwas verbessert.
Klaus lässt es sich nicht nehmen, mit dem Jeep durchs Flussbett zu fahren, durch reißende Wasser und über Stock und Stein. Herrlich, das ist das Marlboro- und Camel-Gefühl von Abenteuer! Mit seiner rauchenden Zigarette im Mundwinkel und seinem begeisterten Blick könnte Klaus locker dem Marlboro-Man Konkurrenz machen. über eine schmale Schotterstraße und steil am Abhang fährt er mit uns durch enge Kurven rauf auf den Gipfel über dem “Oasis” – ein unbeschreiblicher Ausblick!
Die Passstraße “Puerta del Cielo” – das “Tor zum Himmel” – liegt auf etwa 3000 m Höhe, auch eines von Klaus`s und Marcs Lieblingszielen. Zum Bergdorf “Cuatro Palos” hinauf auf fast 3300 m führt ein mit Schlaglöchern und Steinbrocken gesäter Weg durch einen dichten Wald, der an unseren Schwarzwald erinnert. Oben weht ein eisiger Wind. Kinder, dick eingewickelt in Ponchos, spielen Fußball auf dem kleinen Platz am Dorfeingang und beäugen misstrauisch die “Gringos”. Aber die Aussicht über die Berge ist spektakulär. Klaus führt uns zu den schönsten Stellen, und wir verstehen, warum dieser magische Ort das “Tor zum Himmel” ist.
Gemächlich geht es weiter zum Wasserfall Chuveje und zur Missionskirche Concá. Danach wartet schon das nächste Abenteuer. Ordentlich durchgeschüttelt und eingestaubt, erreichen wir Santa María de los Cocos, Ausgangspunkt unserer Bergtour zu einem der größten Einsturzkessel der Welt, dem 450 m tiefen “Sótano del Barro”. Hier haben wir die Wahl: Klettern oder uns vom Maulesel tragen lassen? Egal wie die Wahl ausfällt: Muskelkater ist garantiert. Hier spielt sich abends ein fantastisches Naturschauspiel ab: Der Heimzug der wilden Papageien zu ihren Nestern in der Doline.
Wir verabschieden uns in Landa de Matamoros mit seiner Missionskirche von der Sierra Gorda. Auf dem Weg in die Huasteca Potosina im Querétaro benachbarten Bundesstaat San Luis Potosí durchfahren wir faszinierende Berglandschaften und erleben innerhalb weniger Kilometer mehrere Klimazonen. Kahle Berge wechseln sich ab mit Pinienwäldern und Tälern mit üppiger tropischer Vegetation. Eine dunkelgraue Kalkbank zwischen tiefroten Mergelschichten ist reich an Fossilien – kein Wunder, dass der Geologe Marc uns in das Dorf El Lobo führt, wo wir in einem kleinen Restaurant zu Mittag essen. Hier können wir eine ganze Fossiliensammlung besichtigen, die Marc uns hingebungsvoll erklärt.
Xilitla: Im Zaubergarten von Edward James
Auf der anderen, nördlichen Seite der Berge erwartet uns eine völlig andere Landschaft. Die Berge leuchten in dunklem Grün, die Landschaft ist tropisch und gleicht einem Schlaraffenland. Hier wachsen Mangos und Avocados, Bananenbäume stehen am Straßenrand, dazwischen Orangen- und Mandarinen-Haine und überall prachtvolle exotische Blumen: Hibiskus und Bougainvilleen und “Colorines”, wie die den Magnolien ähnlichen Bäume mit leuchtend orangefarbenen Blüten hier genannt werden. Wir fragen uns, warum auf dieser Seite der Berge alles so üppig grün und fruchtbar ist, und auf der anderen Seite die Berge kahl und karg sind. “Das liegt daran, dass die Wolken, die vom Golf von Mexiko kommen, hier buchstäblich an den Bergen kleben bleiben und sich hier der Regen ergießt”, erklärt uns Marc.
In einem solchen tropischen Paradies liegt der magische Ort Xilitla, dem der exzentrische brititsche Millionär (und angeblich unehelicher Sohn von König Edward), Edward James, zu Ruhm verholfen hat. Hier wollte sich James ein surrealistisches Schloss und einen Zoo errichten. Anfang der 50er Jahre, übersättigt vom Jet-Set-Leben in London, Paris, New York und Hollywood, suchte sich James, ein ausgemachter Kunstliebhaber und Freund der Surrealisten, einen Flecken Erde, um Frieden zu finden. Er fand ihn hier, in Xilitla. 20 Jahre arbeitete er an seinem “Schloss”, das indes nie fertig wurde. Kaum hatte er angefangen, eine Idee umzusetzen, begann er mit der nächsten, ohne je eine wirklich bis zum Ende auszuführen. So stehen in diesem magischen Garten “El Pozo” (Der Brunnen, so genannt, weil sich hier ein Fluss über Kaskaden in mehrere Becken ergießt, in denen man baden kann) die verrücktesten Konstruktionen: schmale Brücken und Treppen, die hoch hinauf ins Nichts führen, Figuren und halbfertige Hauser mit den unterschiedlichsten Formen.
Der Ort selbst, über dem ein massives Wehrkloster der Augustiner thront, ist ein typisch mexikanisches Städtchen, das sich erst langsam auf den wachsenden Tourismus einstellt. Im Ort gibt es ein Edward-James-Museum, in dem man neben seinen Formen zum Ausgießen seiner eigenwilligen Konstruktionen auch viel über sein verrücktes Leben erfahren kann. Das Museum wird von der Familie von James` Lebensgefährten geführt, die hier auch ein der Lebensphilosophie James` treues sehr individuelles Hotel betreibt.
Nach einer Fahrt durch die herrliche tropische Landschaft erreichen wir Ciudad Valles in der Tiefebene von San Luis Potosí, das wirtschaftliche Herz der Region und Ausgangspunkt durch die Huasteca Potosina. Die Stadt selbst hat keine großartigen Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber mit den Hotels “Valles” (5 Sterne) und dem “Quinta Mar” hervorragende und schöne Häuser, in denen man vor der Abenteuertour in die wilde Landschaft der Huasteca wunderbar Kräfte tanken und die Seele baumeln lassen kann. Ciudad Valles hat Hotels aller Preisklassen, diese beiden sind jedoch die schönsten. Hier betreibt auch die Partneragentur von Marc und Klaus, Aventura Huasteca, ein kleines rustikales Hotel. Aventura Huasteca veranstaltet unter anderem Rafting- und Kayaktouren, Rappel an Wasserfallen und Mountainbiking.
“Puente de Dios” (Brücke Gottes), ist ein herrlicher Flecken Erde, wo der Fluss Tampaón in einem Sinkloch verschwindet. Zu Fuß gehen wir immer bergab bis zum Becken, in das sich der Fluss ergießt und in dem man schwimmen kann. Das Wasser leuchtet in einem intensiven Blau. Kreuze an den umliegenden Felsen, die an verunglückte Urlauber erinnern, warnen jedoch eindringlich davor, von hier ins Becken zu springen. Weiter geht es zur “Cueva de Mantezulel”, einer beeindruckenden Tropfsteinhöhle. Das einfallende Sonnenlicht bietet ein faszinierendes Schauspiel an Farben. Ein Besuch des “Sótano de Golondrinas” am späten Nachmittag vermittelt ein weiteres Naturspektakel: Tausende von Schwalben kehren kurz vor Sonnenuntergang in ihre Nester im Dolinenkrater zurück.
Nervenkitzel in Tamul
Puente de Dios war schon eine Verheißung, was Klaus und Marc danach auf ihrer Route bieten, ist absolut fantastisch. Die Tagesfahrt entlang des Río Saltos bringt uns durch herrliche Landschaften zu den Wasserfällen Micos, Tamul, Minas Viejas und El Meco, wo man überall auch baden kann. Hier haben wir wieder die Qual der Wahl: Machen wir eine Rafting- oder Kajak-Tour oder seilen wir uns am 50 m hohen Wasserfall Cascadas Minas Viejas ab? Ich überlasse das Abseilen dem sportlichen Jungvolk und rudere lieber im Kajak über den Micos.
Höhepunkt in der Huasteca Potosina ist der Wasserfall Tamul, der nur mit einem Geländewagen zu erreichen ist. Es geht über schmale Feldwege, durch Schlaglöcher und über Gesteinsbrocken, um dann plötzlich vor einer üppigen Weidelandschaft zu stehen. Zu Fuß geht es zum Ufer des Flusses Tampaón. Flussaufwarts paddeln wir durch bizarre Flusswindungen bis 300 m vor den Wasserfall, der sich mit einer Fallhöhe von 105 m bedrohlich vor uns aufbaut. Auf unserer Fahrt begegnen uns Gruppen von mexikanischen Touristen, die fröhlich winkend und lachend mit uns um die Wette paddeln. Auf dem Rückweg machen wir Halt an der “Cueva de Agua”, einer Höhle mit unbeschreiblich blauem, tiefem Wasser, in dem wir schwimmen können. Für die Rafting-Liebhaber heißt es nach unserer Rückkehr umsteigen ins Schlauchboot: 20 Kilometer Stromschnellen der Klasse III warten auf sie.
Ich entscheide mich für eine zweistündige Fahrt mit Klaus durch schweres Gelände, um auf die Wasserkante zu kommen. Am Ufer des Flusses wandern wir an immer rasanteren und mächtigen Stromschnellen zur felsigen Kante, von der sich der Fluss mit einem unglaublichen Rauschen in die Tiefe stürzt. Ein lokaler Guide wacht sorgsam über unsere Klettertouren durch die mehr oder weniger zugänglichen Stellen.
Wir übernachten in einem kleinen Hotel in Tamasopo, in dessen Umgebung es mehrere Flussbäder gibt. In Tamasopo ist eine wunderschöne Anlage mit Plätzen für Camping und Restaurants entstanden. Unter den Becken und kleinen Wasserfällen kann man ohne Gefahr schwimmen und sich erfrischen.
Río Verde heißt die kleine Stadt, in der wir Kraft für den nächsten Tag sammeln. Die Stadt hat einen wunderschönen Zócalo, wie die Hauptplatze in den Stadtzentren in Mexiko genannt werden. Ansonsten hat die Stadt Besuchern wenig zu bieten. Wer nach 21 Uhr ankommt, findet außer Taco-Imbissen kein offenes Restaurant mehr. Wie überall in der Provinz in San Luis Potosí, werden auch hier abends die Bürgersteige hochgeklappt. Gut, dass wir uns mit Bier eingedeckt haben, um den Abend fröhlich in unserem Zimmer im Hotel ausklingen zu lassen.
Gut ausgeruht fährt Klaus mit uns am nächsten Morgen zur Kraterlagune Media Luna, ein herrliches Fleckchen in einer anmutigen, fruchtbaren Landschaft und ideal, um sich auszuruhen. Der von einer 28 bis 32 Grad warmen Quelle gespeiste See bietet eine artenreiche Flora und Fauna. Das Wasser ist klar, man kann 20 bis 30 m tief blicken. Wer will, kann hier schnorcheln oder tauchen. Die entsprechende Ausrüstung kann man vor Ort mieten.
In Tamasopo verabschieden wir uns von der fantastischen Huasteca Potosina. Unser Jeep glänzt längst nicht mehr, Schlamm und Staub haben ihre Spuren hinterlassen – und so sind wir auch rein äußerlich eine Schar abenteuerlustiger “Explorer”.
Magisch, mystisch: Real de Catorce
Krönender Abschluss der Rundreise ist die magische und mystische Geisterstadt Real de Catorce versteckt in den Bergen des Hochlands von San Luis Potosí. Zu erreichen mit dem Auto nur durch einen fast drei Kilometer langen, Anfang des 20. Jahrhunderts gebauten Tunnel. In Real de Catorce angekommen, findet man sich plötzlich in einer ganz anderen Welt wieder. Die einstige Bergbaustadt war das Zentrum einer an Silberadern reichen Region, die in ihrer Blütezeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa 55 000 Einwohner zählte. Die Stadt war damals eine der modernsten Städte in Mexiko. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Real de Catorce verlassen – die Minen waren versiegt, die mexikanische Revolution (1910-1917) trieb die letzten reichen Minenbesitzer davon. Die Häuser zerfielen, Kakteen bemächtigten sich der Mauern.
Mythen und unzählige Legenden ranken um den Ort, in dem – so erzählen die wenigen übriggebliebenen Einheimischen – unglückliche Seelen zuweilen noch als Geister irren. Inzwischen ist Real de Catorce wieder bewohnt und teilweise wieder aufgebaut – auch dank der Mittel aus dem Fonds “Magische Orte”. Rustikale, sehr schöne Hotels sind in den alten Mauern entstanden, Cafés, Restaurants, Kunsthandwerkstatten und Galerien.
Mit einem originalen Willys-Jeep aus den 40er Jahren fahren wir an wirklichen Geisterstädten vorbei zum heiligen Berg der Huicholes-Indianer, die von weither, aus Nayarit am Pazifik, Jalisco und Zacatecas hierher kommen, um hier, auf dem “Cerro del Quemado” ihre Riten zu zelebrieren. Dabei verzehren die Schamanen auch den legendärem “Peyote”, wie die Kaktusfrucht heißt, deren halluzinatorische Wirkung Carlos Castaneda in seinen Büchern beschreibt (u. a. “Die Reise nach Ixtlan. Die Lehre des Don Juan). Die Frucht wächst hauptsachlich auf der anderen Seite der Berge von Real de Catorce.
Der Willys-Jeep – der den Bewohnern auch als Shuttle in den Ort El Cedral mit der Eisenbahnstation dient – bringt uns nach einer abenteuerlichen Fahrt auch in die Wüste Wirikuta, wie sie die Huicholes nennen, ins Land des Peyote. In El Catorce in der Tiefebene brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Um die Mittagszeit herrscht Totenstille in diesem Ort mitten im Nichts.
Unsere Rundreise endet in San Luis Potosí, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats und bedeutendes Industriezentrum. In der malerischen Altstadt von San Luis Potosí lassen wir unsere Erlebnisse noch einmal Revue passieren. “Was fandest du am schönsten”, fragen mich Marc und Klaus. Ganz ehrlich, ich kann es gar nicht sagen: Ich fand alles einfach nur fantastisch.
Tipps für die Rundreise
Marc und Klaus sind keine klassischen Reiseveranstalter – und darin liegt auch ihr großes Plus. Mit ihnen zu reisen, heißt mit Freunden zu reisen, die sich super gut auskennen. Klaus als erfahrener Begleiter und Touristenbusfahrer bringt die nötige Besonnenheit mit (und eine ansteckende Fröhlichkeit), um Sie auch durch schwierige Strecken heil ans Ziel zu bringen. Marc ist zweifacher Familienvater und glänzt nicht nur durch seinen Intellekt. So verfügt er auch über die nötige Ruhe und Gelassenheit, um auch auf erschöpfte Touristen geduldig zu warten, damit sie abends glücklich und zufrieden ins Bett fallen.
Die Teilnehmer sollten eine Unfallversicherung abschließen. Natürlich sind sie über die Haftpflichtversicherung von Klaus und Marc auch abgesichert. Für etwaige Unfälle beim Wandern oder Klettern indes können sie keine Gewähr übernehmen. Sie brauchen gutes Schuhwerk (Trekkingsandalen, Wanderstiefel), wasserfeste Kleidung, Badezeug, Sonnenschutz für Kopf und Haut, Insektenschutzmittel. Nehmen Sie sich auch eine leere Reisetasche mit, damit Sie noch Platz für Souvenirs haben! Die Gruppengröße liegt bei zwei bis sieben Personen.
Die Reiseroute kann auch individuell zusammengestellt werden. So sind auch kürzere Rundreisen möglich.















