Hintergrundbericht: Cancún Homeport-Gegner klagen vor dem Bundesfinanzgericht

Berlin, Marz 2003 (MTN) – Mit Klagen vor dem Bundesfinanzgericht wollen die Gegner des geplanten Kreuzfahrtterminals (Homeport) in Xcaret bei Cancún den Bau des 35 Millionen Dollar-Projekts verhindern. Das bestätigten die Senatorin und Kongressabgeordnete für die mexikanischen Grünen, Emilia Patricia Gómez Bravo, und der Sprecher der Homeport-Gegner, Fernando García Zalvidea, den www.mexico-travelnews auf der ITB in Berlin.

Der Homeport Cancún, sollte er tatsächlich gebaut werden, könnte mit den Hafen in Miami und San Juan (Puerto Rico) konkurrieren. Er soll Ausgangspunkt werden für Turns zu den Inseln in der westlichen Karibik und entlang der mittelamerikanischen Ostküste nach Panama und zurück.

Die Baugenehmigungen entbehrten jeglicher rechtlicher Grundlage, erklärten García Zalvidea und Gómez Bravo. Weder sei eine gesetzlich vorgeschriebene Ausschreibung für den Bau erfolgt noch die dafür notwendigen Umweltstudien überprüft worden, erklärte García Zalvidea. Gegen das Projekt sei auch Beschwerde vor dem mexikanischen Bundeskartellamt (Comisión Federal de Competencia) eingereicht worden. Außerdem habe das Ministerium für Urbane Entwicklung und Umwelt das Projekt nicht genehmigt.

Damit widersprachen die Wortführer der Homeport-Gegner den Ausführungen der mexikanischen Bundestourismusministerin Leticia Navarro vor Journalisten auf der ITB, wonach “alles in Ordnung und seinen rechtmaßigen Weg” gegangen sei. Dass Umweltschützer und lokale Interessensverbande durchaus etwas bewirken können, hat sich im vergangenen Jahr beim Projekt des neuen Großflughafens von Mexico City in Texcoco gezeigt. Sie erreichten mit ihren massiven Protesten und Klagen, dass die Regierung das Projekt gekippt hat. Ein neuer Großflughafen ist damit wieder in weite Ferne gerückt. Eine Alternative ist bisher jedenfalls nicht bekannt.

Die Gehehmigung für den Bau des Kreuzfahrtterminals durch die Gemeinde wurde daran geknüpft, dass Carnival Cruises als Ko-Investor (neben dem Betreiber des Öko-Erlebnisparks Xcaret) 30 US-Dollar pro Passagier an die Gemeinde zahlt. “Das aber lehnt sie ab. Sie zahlt auch keine Steuern”, sagte Garcá­a Zalvidea. Carnival Cruises habe sich inzwischen von dem Projekt zurückgezogen.

Umweltschützer befürchten massive Schäden, vor allem an den Korallenriffen vor der Küste. “Wir haben jetzt sogar ernst gemeinte Vorschläge gehört, man könne die Korallenbänke doch einfach versetzen”, kritisierte Gómez Bravo. Die örtliche Tourismusindustrie läuft Sturm gegen das Projekt, weil sie mit erheblichen Einnameverlusten rechnet. Die Einnahmen aus dem Tourismus belaufen sich laut García Zaldivea an der Riviera Maya auf rund 3,6 Mrd. US-Dollar jährlich. Der Homeport würde einen Verlust von 20 Prozent beziehungsweise 720 Millionen Dollar bedeuten. An Einnahmen aus dem Homeport seien aber nur 20 Millionen US-Dollar zu erwarten. García Zaldivea: “Es liegt doch auf der Hand, dass es hier nur um politische Gründe geht, namlich darum, die Bilanz der Touristenankünfte zu schönen. Und davon haben wir gar nichts.” Wie wenig eine Destination von einem Kreuzfahrt-Terminal profitiere, werde an Cozumel deutlich. Die touristische Infrastruktur auf der Insel entwickle sich kaum.

Auch beim Milliarden-Projekt “Nautische Treppe” am Cortéz-Meer werde vielerorts gegen gesetzliche Auflagen verstoßen. Auch hier sei noch keine Lösung in Sicht. Die Nautische Treppe (Escalera Nautica) sieht den Bau von 23 Marinas und Hotelanlagen an den Küsten des Cortéz-Meeres in Baja California Sur, Sinaloa, Sonora und Nayarit vor. Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar aus privater Hand sind in den nächsten 14 Jahren für den Bau von Hotels und Marinas und 2,2 Millionen Dollar aus öffentlicher Hand für den Bau von Straßen und Infrastrukturmaßnahmen wie Wasser- und Stromversorgung vorgesehen. Mit dem Projekt sollen 50 000 Arbeitsplatze im Nordwesten des Landes geschaffen werden. Die Planer gehen davon aus, dass von 2014 an jährlich 50 000 Boote mit Besatzungen von bis zu fünf Mann in den Marinas festmachen.

Mit rund 2500 Ankünften und rund vier Millionen Passagieren war Mexiko nach Zahlen der Internationalen Kreuzfahrtschiff-Vereinigung Seatrade im vergangenen Jahr die meistbesuchte Kreuzfahrtschiffdestination der Welt. In den nächsten zwei Jahren wollen 27 weitere Kreuzfahrtschiffe Mexiko in ihre Routen aufnehmen. (hl)

Über Herdis

Die deutsche Journalistin und Autorin Herdis Lüke hat Mexiko zu ihrer Wahlheimat gemacht. Das erste Mal lebte sie bereits von 1974 bis 1976 und von 1978 bis 1986 in Mexiko. Auch während ihrer 20 Jahre als Journalistin in Hamburg hat sie Mexiko immer wieder besucht und darüber geschrieben - als Autorin u. a. in den Mexiko-Travelnews. Seit 2006 lebt sie wieder permanent in Mexiko.