Chichén Itzá, 7. Juli (MTN) – Die Wahl der Pyramide des Kukulkán in Chichén Itzá auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán als eines der sieben neuen Weltwunder ist in Mexiko auf geteilte Freude gestoßen. Während in Chichén Itzá rund 8000 Besucher – drei Mal so viel wie an einem normalen Sonnabend – in Begeisterungsstürme ausbrachen, reagierten mexikanische Archäologen und Mesoamerikanisten mit “Trauer und Entsetzen”. “Der Massentourismus, der mit Sicherheit kommen wird, bereitet uns echte Sorgen”, meinten verschiedene Archöologen und Mesoamerikanisten.
Die von der Schweizer Stiftung New 7 Wonders organisierte Wahl endete am 7. Juli mit einer weltweit im Fernsehen aus Portugal übertragenen Zeremonie. Zu den Siegern zahlen neben Chichén Itzá die Christusstatue in Rio de Janeiro (Brasilien), die Inkastatte Machu Picchu (Peru), die Große Mauer (China), die Stadt Petra (Jordanien), das Kollosseum in Rom (Italien) und das Tadsch Mahal (Indien).
Mit rund 8000 Besuchern kamen am Sonnabend drei Mal soviele Touristen nach Chichén Itzá als an normalen Sonnabenden. Foto: Notimex
Von der mexikanischen Regierung war die Kampagne zur Wahl Chichén Itzás als eines der sieben neuen Weltwunder durch eine massive Werbekampagne unterstützt worden. Präsident Felipe Calderón gratulierte seinen Landsleuten zu der Wahl. “Die Ernennung wird uns ermöglichen, mehr Touristen nach Mexiko zu locken und damit mehr Einnahmen zu generieren und Arbeitsplatze zu schaffen”, erklärte Calderón in einer über die elektronischen Medien verbreiteten Erklärung. Gleichzeitig sei die Ernennung aber auch eine Verpflichtung, sich für den Erhalt und die Pflege des kulturellen Erbes einzusetzen. Die Ernennung Chichén Itzás als eines der sieben neuen Weltwunder sei eine “ausgezeichnete Gelegenheit, die Bedeutung Mexikos im Universum zu zeigen, und ich glaube, wir haben alles in der Hand um das auszunutzen”, freute sich Mexikos Bundestourismusminister Rodolfo Elzondo Torres. Die Ernennung sei gleichzeitig eine Anerkennung für die indigene, vor allem aber die Welt der Mayas in Mexiko.
“Von der Ernennung profitiert Yucatán in keiner Weise, denn der Großteil der Touristen kommt aus Cancún”, meinte dagegen der Archäologe Antonio Benavi im Onlinedienst der Tageszeitung “El Universal”. Hier gehe es nur ums Geschäft, “und das hat nichts mit der Erklärung zum Weltkulturerbe der UNESCO im Jahr 1988 zu tun. Die archäologische Zone braucht diese Art von Ernennung nicht.”
Für die Delegierte des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (Instituto Nacional de Antropología e Historia, INAH) in Yucatán, Francisca Sodi, war die Ernennung eine “publizistische Show, die nur dazu beigetragen hat, den Ort noch bekannter zu machen”.
“Weder das INAH noch die Regierung in Yucatán sind auf die Auswirkungen, die die Ernennung mit sich bringt, vorbereitet. Die Pyramiden sind jetzt schon überlaufen. Die Pyramide des Kukulkán wird dadurch noch verletztlicher, zumal sie gerade für die Öffentlichkeit wieder geöffnet wurde”, kritisierte die Mesoamerikanistin und Reiseleiterin Kirsten Liliane López in einem Gespräch mit den “Mexiko-Travelnews”. Es sei auch keinesfalls sicher, dass die Gelder, die das INAH durch die Touristen einnehme, auch wirklich der Anlage zugute komme. “Die Eintrittsgelder des INAH kommen auf ein Konto und werden anschließend verteilt”, erklärte die Maya-Expertin.
So sehr sich Mexiko über einen weiteren Impuls für die Tourismusbranche freuen kann, so bereitet der Massentourismus, der auf die Ernennung von Chichén Itzá als eines der sieben neuen Weltwunder folgen werde, auch große Sorge. “Es gibt keinen schlimmeren Zerstörer als den Menschen und den Massentourismus”, kritisierte die Archäologin Amalia Cardós.
So wie sich die Archäologen die archäologische Stätte wünschen: Mit wenigen Besuchern.
Foto: Herdis Lüke
Bereits jetzt besuchen durchschnittlich 1,2 Millionen Touristen im Jahr die archäologische Stätte, die auf halbem Weg zwischen Cancún und Mérida, Hauptstadt des Bundesstaats Yucatán , liegt. Der Rat für die Tourismuswerbung Mexikos (Consejo der Promoción Turística de México, CPTM) rechnet mit einer Verdoppelung der Besucherzahlen innerhalb der nächsten fünf Jahre. Der Direktor von Chichén Itzá, der Archäologe Eduardo Pérez de Heredia, hat deshalb mehr Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen für die archäologische Stätte angekündigt. So soll u. a. der Zugang zu bestimmten Bereichen für Besucher gesperrt werden.
Das Tourismusministerium dagegen plant, die Öffnungszeiten in Chichén Itzá auch auf die Abend- und Nachtstunden auszudehnen und mehr übernachtungsmöglichkeiten in Chichén Itzá zu schaffen. Der CPTM kündigte an, Chichén Itzá zum Mittelpunkt der Werbekampagnen Mexikos im Ausland zu machen. So soll Chichén Itzá die Besucher gleichzeitig dazu animieren, auch die anderen Mayastätten auf der Halbinsel Yucatán wie Uxmal sowie Palenque in Chiapas und Monte Albán in Oaxaca im Südosten Mexikos zu besuchen. “Wir sind stolz über die Wahl”, sagte CPTM-Präsident Francisco López Mena. Rund 1,04 Millionen US-Dollar hat der CPTM in die Werbekampagne zur Wahl von Chichén Itzá investiert. (hl)





Wenn man hört, dass da eine Millionen an Werbung zur Wahl investiert wurde, braucht man sich über so manches Ergebnis zu wundern. Für unseren deutschen Teilnehmer gab es da wenig bis gar nichts. Da ich Chitchen Itza chon gesehen habe, hat es das sicher aber auch mehr verdient als das Traumschloss. Auf meiner Homepage: Neue Sieben Weltwunder habe ich die Sieger und die Kandidaten noch einmal ausführlich vorgestellt. Liebe Grüße Thorsten
Ich muss sagen, das is schon echt traurig. Ich war letztes Jahr in Mexiko und natürlich auch am Chichen Itza und es ist echt superschön da. Was ich mich aber frage: Im Artikel steht, dass die Hauptpyramide wieder betreten werden darf? Stimmt das? Seit wann das denn? Im Jahre 2007, also letztes Jahr durfte man das noch nit, zumindest nicht als ich dort war!
Ob es möglich ist, einen guten Mittelweg zu finden, bezweifle ich stark. Auch ich habe Chichén Itzá besucht. Im letzten Jahr habe ich mit meiner Frau eine Kreuzfahrt mit dem AIDA Clubschiff gemacht. Wir haben uns für die Route Mittelamerika entschieden und für uns war es vollkommen klar, auch Landausflüge zu buchen…auch den Besuch Chichén Itáz. Erst nach der Buchung habe ich mich mit demThema beschäftigt und bin auch auf die “Streitigkeiten” gestoßen. Ich finde es fantastisch, dass sich Relikte aus vergangener Zeit so lange beständig gehalten haben und es erfüllt mich mit Freude und Erfurcht, solche Stätten zu besuchen. Gleichzeitig weiß ich, dass dieser Massentourismus, dem ich in diesem Moment auch angehöre, alles nicht immer förderlich ist. Einen Mittelweg zu finden, halte ich wirklich für schwierig.
Die Wahl ist mehr als umstritten, denn sie wurde von einer privaten Stiftung durchgeführt.
Die Menschen haben trotz aller Bedenken, ein recht darauf die Kulturdenkmaeler dieser Welt zu besichten. Zudem ist der Tourismus eine wichtige Einahmequelle fuer Mexiko. Die Pyramiden stehen trotz vieler Touristen auch noch.
Ich hoffe ebenfalls das es einen guten Mittelweg gibt. Oftmals wird einfach vergessen das es sich um ein Kulturgut handelt, und demensprechend wird es auch “behandelt” und ignoriert
Danke für den Kommentar.
Der Tourismus in Mexiko ist eben eine der wchtigsten Säulen der wirtschaftlichen Entwicklung. Man muss jetzt beobachten, wie Chichén Itzá tatsächlich geschützt wird. Es istja durchaus möglich, dass ein goldener Mittelweg gefunden wird: Einerseits Schub durch den Tourismus, andererseits Schutz des kulturellen Erbes. Wollen wir das Beste hoffen!
Shcöne Grüße
Herdis Lüke
Dass die Tourismus-Industrie den Hals nicht voll kriegt ist schon verständlich, aber dass das Ganze von der mexikanischen Regierung durch eine massive Werbekampagne unterstützt wurde, ist traurig.