Foto oben: Der Gourverneurspalast in Palenque (Jürgen Böhning)
Von Herdis Lüke
Nur wenige untergegangene Kulturen sind den Forschern noch heute so rätselhaft wie die Hochkultur der Maya: Seit der ersten Entdeckung ihrer monumentalen Städte in Guatemala und Mexiko vor 150 Jahren ist ihre Hieroglyphen-Schrift noch immer nicht ganz entziffert worden. Nach wie vor ist nicht eindeutig geklärt, warum die klassische Maya-Kultur (etwa 300 bis 900 n. Chr.) zerbrach. Als die Spanier 1522 Mexiko eroberten, gab es die großen Maya-Fürstentümer nicht mehr. Lange bevor die Spanier Mexiko und Mittelamerika entdeckten, waren alle Städte der Maya aufgegeben. Waren Dürreperioden, Hunger, Epidemien, Kriege oder Revolutionen der Grund?
Der Zusammenbruch der Maya-Hochkultur ist nach heutigen Erkenntnissen eine Folge verschiedener Faktoren. Die Forschung spricht von einer “Balkanisierung” Mittelamerikas. Die Bevölkerung war im Laufe der Entwicklung der Klassischen Periode so gewachsen, dass es am Ende zu viele Menschen waren. Die landwirtschaftliche Produktion drohte nicht mehr auszureichen, um alle zu ernähren. Die Konflikte eskalierten. Es gab Aufstände gegen die Herrschenden (besonders ab 850 n.Chr.). Anhaltende, katastrophale Dürreperioden setzten offenbar eine Völkerwanderung riesigen Ausmaßes in Gang.
Wissenschaftler der NASA haben mit Hilfe von Satellitendaten und Klimamodellen herausgefunden, dass Maya aktiv zu ihrem Untergang beitrugen. Ihre Rodung der Wälder verstärkte Dürren und Hitze durch den Klimawandel und förderte Missernten und Übernutzung der Böden. (Lesen Sie hierzu auch den detaillierten Bericht im Wissensmagazin scinnexx.
Getrieben von Hunger und Not, flüchteten die Menschen von Stadt zu Stadt. Und es waren ausgerechnet Städte, die an Flüssen oder Seen lagen, die zuerst untergegangen sind wie Palenque und Yaxchilán im südmexikanischen Chiapas. In gnadenlosen Kämpfen ums Überleben metzelten sich die Menschen nieder. Ganze Dynastien löschten sich gegenseitig aus. Lamy: “Schließlich hatte fast jedes Dorf seinen eigenen Herrscher.” Die Darstellungen zeigen nur noch kriegerische Auseinandersetzungen. So zerfielen am Ende die politischen und sozialen Strukturen – es war niemand mehr da, der eine neue stabile Ordnung hätte schaffen können.
Mexikanischen Anthropologen zufolge stammen die Maya von den Olmeken vom Golf von Mexiko ab. Erste sesshafte Stämme gab es um 2000 v. Christi in Südmexiko (Palenque) und in Guatemala (Tikal). Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich von der mexikanischen Halbinsel Yucatán und Südmexiko (Chiapas) über Belize, Guatemala und Honduras bis nach El Salvador. Dort leben heute noch etwa fünf Millionen Nachfahren der Maya.
Erhalten geblieben sind etwa 24 Dialekte. Sicher ist, dass sich die Maya mit anderen Kulturen wie Totonaken, Tolteken und Mixteken vermischten, sagt der französische Altamerikanist und Ethnologe Dr. Charles Lamy. So seien die Einflüsse der Maya in zahlreichen anderen Tempelstädten im zentralmexikanischen Hochland, aber auch in Oaxaca in Südmexiko zu finden. Umgekehrt finden sich auch Spuren dieser Kulturen in Yucatán. Chichén Itzá ist ein besonders beeindruckendes Beispiel dafür.
Man weiß, dass die Städte in Kategorien von 1 bis 4 aufgeteilt waren und kennt die Wappen großer Städte. Dabei war klar definiert, welche Stadt ein Wappen tragen und Gefangene machen durfte. Die Städte der Kategorien 3 und 4 dagegen hatten kaum Rechte – ein Grund, weshalb in deren Ruinen weniger Inschriften zu finden sind und keine eigenen Wappen.
Die Wissenschaften standen bei den Maya ganz offenbar hoch im Kurs. Sie waren hervorragende Baumeister, Astronomen und Mathematiker. Sie erfanden auch einen präzisen Sonnen-Kalender, rechneten schon vor den Europäern mit der Zahl Null und entwickelten eine komplizierte Schrift, die sich wie bei Sumerern, Ägyptern und Japanern aus Bildern und Silben zusammensetzt. Für den Kalender wurden Daten der Olmeken genutzt, die von den Maya präzisiert wurden. So konnten sie den Umlauf der Venus bis auf 0,08 Tage exakt angeben und Mond- und Sonnenfinsternisse genau voraussagen. Ihre monumentalen Bauwerke, die Altäre, Paläste und Ballspielplätze wurden nach diesem Kalender errichtet.
Die Entschlüsselung des Zahlensystems, des Kalenders und der astronomischen Berechnungen der Maya erfolgte schon Ende des 19. Jahrhunderts – dank geretteten Maya-Handschriften, dem so genannten Dresdner Codex. Im 20. Jahrhundert wurden etwa 300 von 800 Zeichen der Maya-Schrift entziffert oder analog gedeutet.
Die Interpretation der Inschriften ist deshalb so schwierig, weil die Symbole mehrere Bedeutungen haben können, sagt Dr. Lamy. So könne eine Zahl sowohl in Strichen und Kreisen, aber auch als Figur dargestellt sein. Die Hieroglyphen seien meist paarweise geschrieben und werden von oben nach unten gelesen. Auf manchen Skulpturen oder anderen Artefakten wie Vasen verlaufe die Schrift aber auch auf einer Linie von links nach rechts.
Früher glaubte man, die Hieroglyphen beschrieben Rituale oder kalendarische Dinge. Inzwischen haben die Experten herausgefunden, dass sie ganz reale politische und historische Geschehnisse darstellen. So ließen sich in Inschriften gewisse Schlüsseldaten entziffern, wie die Namen der jeweiligen Herrscher, wichtigen Lebensdaten wie Heirat, Inthronisation und Tod, die Weihe von Gebäuden und kriegerische Auseinandersetzungen.
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