Von Herdis Lüke
Wer Kunst liebt, kommt an San Miguel de Allende nicht vorbei. Das malerische Städtchen mit seinem kolonialen Charme gilt als das Worpswede von Mexiko. Unzähligen Künstlern ist San Miguel de Allende die Quelle ihrer Inspiration. Seit 2008 gehört das Städtchen mit der nahen Wallfahrtskirche Santuario de Jesús Nazareno de Atotonilco zum Unesco-Weltkulturerbe.
Schon die Einfahrt nach San Miguel de Allende verheißt pure Lebensfreude. Schmucke Häuschen schmiegen sich an die Hänge. Üppige Bougainvilleen zieren Gärten und Mauern. Durch enge Gassen geht es über Kopfsteinpflaster direkt zum Jardín Plaza Allende, über den der gotische Turm der Pfarrkirche San Miguel wacht. Zahlreiche Galerien und Kunsthandwerkerläden säumen die Straßen, aus den Straßencafés und Restaurants schallt es in allen Sprachen. Die Fassaden leuchten weiß, hellblau, rosa und ocker.
Der Ruhm von San Miguel de Allende als Kunstmetropole geht auf den amerikanischen Maler und Graveur Stirling Dickinson zurück, der in den 30er Jahren als Tourist in das Städtchen kam. Er verliebte sich so in den Ort, dass er sich hier niederließ und 1950 das inzwischen berühmte Instituto Allende mitbegründete, das er bis 1987 leitete. Das prachtvolle Gebäude aus der Kolonialzeit mit seinen von Arkaden gesäumten Innenhof und Gärten beherbergt unter anderem eine Kunst und Sprachschule und zwei Galerien. Mitte des 16. Jahrhunderts als Mission gegründet, verdankt die Stadt ihren heutigen Beinamen dem Unabhängigkeitshelden Ignacio Allende (1779-1862), einem Mitstreiter von Pater Miguel Hidalgo aus dem benachbarten Dolores Hidalgo. Das kleine Städtchen ist übrigens einen Abstecher wert, nicht nur, weil hier ds Geburtshaus (und heute Museum) von Allende steht, sondern auch das Haus (und ebenfalls Museum) des legendären Sängers und Komponisten (hauptsächlich romantische Ranchera-Lieder) José Alfredo Jiménez (1926-1973).
An der Silberstraße nach Mexiko-Stadt gelegen, ließen sich während der Kolonialzeit reiche Minenbesitzer aus Guanajuato, Zacatecas und San Luis Potosí in San Miguel de Allende nieder – nicht zuletzt auch wegen des angenehmen Klimas, das hier das ganze Jahr über herrscht. In den Thermalquellen in der Umgebung ließen sie sich von ihren Leiden kurieren. Ihre prächtigen und eleganten Herrenhäuser zeugen noch von ihrem Reichtum. Hinter dicken Mauern verbirgt sich manch romantisches Hotel (so wie das Sierra Nevada oder ) – fast fühlt man sich hier wie ein Silberbaron persönlich: Es fehlt nur der Mozo, der einem das Frühstück ans Bett bringt.
Einzig die Pfarrkirche San Miguel passt architektonisch nicht so recht ins Bild. Sie wurde zwischen 1880 und 1900 an Stelle der alten schlichten Franziskaner-Kirche errichtet. Die Legende behauptet, dass sich der indianische Baumeister Zeferino Gutiérrez von der Postkarte einer französischen Kathedrale inspirieren ließ. Seitdem ist der rosa Sandsteinbau mit seinem fast grotesk anmutenden gotischen Turm das weithin sichtbare Symbol der Stadt.
Zu den sehenswerten Schätzen gehört die Kappelle mit der Figur des Señor de la Conquista (Herr der Eroberung). Sie wurde im 16. Jahrhundert von Indianern nach einer traditionellen Technik geformt, wobei sie mit Brei aus Orchideenknollen zusammengeklebt und mit Kalk überzogen wurde. Verewigt hat sich der indianische Baumeister auch mit der zum ehemaligen Kloster La Concepción gehörenden Kirche mit ihrer zwölfeckigen Kuppel. Heute ist hier das Centro Cultural Ignacio Ramírez untergebracht – ein Musentempel, wie man ihn sich prachtvoller und inspirierender kaum vorstellen kann. Das Kulturzentrum ist eine Außenstelle des Nationalen Instituts für Schöne Künste (Instituto Nacional de Bellas Artes). Im dazugehörigen Café treffen sich Lernende und Lehrende: Hier wird gestritten, palavert, diskutiert über Gott und die Welt.
Auch der lauschige Patio der Öffentlichen Biblioteca Santa Ana ist ideal, um mit den einheimischen Künstlern ins Gespräch zu kommen. Hier gibt es landesweit die größte Auswahl an englischen Büchern!
Trotz des Ansturms an Zuwanderern hat sich San Miguel de Allende seinen kolonialen Charme bewahrt – auch dank des Umstands, dass es unter Denkmalschutz steht. So hat natürlich auch San Miguel de Allende viele sehenswerte Ecken. Aber es ist das besondere Flair der Boheme, das die Stadt so anziehend macht. Das Leben ist beschaulich heiter. Keiner hetzt durch die Gassen. Bunt gewandet im mexikanischem Folklore-Look, zeigen die Fremden hier, dass sie „dazu gehören“. Sie bleiben stehen, plaudern, grüßen sich über die andere Straßenseite mit einem fröhlichen „Hola“. Zum Frühstück trifft man sich im Traditions-Café El Correo am Jardín Plaza Allende.
Das Café ist die Info-Börse der Stadt. Der Abend lässt sich stimmungsvoll einläuten im Berlin Pub Bis in die frühen Morgenstunden geht es rund in der Disko Chocolate Lounge und im “El Grito”. Zu den Top-Restaurants der Stadt gehört das “Andanza” vom Hotel Casa de Sierra Nevada (Hospicio 35, gegenüber den alten öffentlichen Waschanlagen, einst die Tratschbörse des Ortes).
Das im 18. Jahrhundert erbaute Santuario de Jesús Nazareno de Atotonilco liegt nur 14 Kilometer von San Miguel de Allende entfernt. Die Wallfahrtskirche mit ihren sieben Kapellen besticht vor allem durch ihre fantastischen Wandmalereien. Sie sind ein bneeindruckendes Beispiel fürt die künstlerische Verschmelzung der Kulturen. 30 Jahre brauchte der aus Atotonilco stammende Maler Miguel Antonio Martínez de Pocasangre für die prachtvollen Bilder, die keiner Ordnung zu gehorchen scheinen. Die Wandbilder zieren die gesamte Kirche mit ihren sieben Kapellen und bilden die Kulisse beispielsweise für die Kreuzigung Christi. Der Besucher kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.













Danke, lieber Pepe! Über solche Kommentare freue ich mich natürlich riesig!
Super Artikel mit viel Information!! Beim durchlesen bekam ich sofort Lust nach Mexiko zu fliegen, um u.a. San Miguel de Allende wieder zu besuchen!
Schöne Grüße aus Frankfurt!