Morelos in Mexiko: Synonym für ewigen Frühling

Titelbild: Typisches Zuckerrohrfeld. Im Hintergrund die Kirche von Tetecala. Foto: Herdis Lüke
Von Herdis Lüke

Der Bundesstaat Morelos in Zentralmexiko bietet seinen Besuchern ein einzigartiges Paradies – und das praktisch zu Füßen der Hauptstadt. Die Natur, das wunderbare Klima, die wechselvolle und spannende Geschichte hat fantastische Szenarien geschaffen, um hier unvergessliche Tage zu verbringen. Morelos ist ideal für Besucher, die aus beruflichen oder privaten Gründen ein Weilchen in Mexiko-Stadt bleiben. Ein modernes Autobahn- und Fernstraßennetz durchzieht den Staat und führt zu den schönsten Orten. Die Distanzen sind überschaubar und die Attraktionen auch in Wochenend- und Tagesreisen von Mexiko-Stadt aus zu bewältigen.

Knapp 5000 Quadratkilometer groß, grenzt der Bundesstaat Morelos im Norden an Mexiko-Stadt, im Westen an den Bundesstaat Mexiko, im Osten an Puebla und im Süden an Guerrero. Morelos ist einer der kleinsten Bundesstaaten des Landes, dafür aber mit einem immensen natürlichen und kulturellen Reichtum gesegnet.
In Morelos laufen die beiden wichtigsten biogeografischen Regionen des amerikanischen Kontinents zusammen: die neoarktische und die neotropische. Damit endet hier geografisch Nordamerika und beginnt Zentralamerika und das erklärt auch, warum auf diesem kleinen Territorium eine Biodiversität und ein Klima zu finden sind, die seinesgleichen suchen: Vulkane und Kordilleren, mit dichtem Tannen- und Laubwald bewachsen und einer Lagune, die ihren Ursprung in der Eiszeit hat, weite Berglandschaften mit für Mexiko typischem niedrigem Buschwald, und tropische Ebenen mit unglaublicher paradiesischer Fruchtbarkeit. Zuckerrohrfelder, Zitrusplantagen, Kokospalmen und üppige Mango-Haine in den von Bergen gesäumten Tälern bestimmen das Landschaftsbild. Morelos ist Synonym für ewigen Frühling.

Buschwald in der Sierra de Huautla. Foto: Herdis Lüke

Buschwald in der Sierra de Huautla. Foto: Herdis Lüke

Ex-Hacienda de Temixco. Foto: Sectur Morelos

Ex-Hacienda de Temixco. Foto: Sectur Morelos

Cuernavaca, Morelos’ Landeshauptstadt, ist in ein bis anderthalb Stunden von Mexiko-Stadt zu erreichen. Selbst wer nur die schönen Landschaften genießen möchte, folgt einfach den Bundesstraßen. Kilometerweit geht es durch Zuckerrohrfelder, vorbei an uralten ehemaligen Haziendas, deren riesige Schornsteine in den Himmel ragen, in der Ferne liegen die Vulkane Popocatépetl und Iztaccihuátl, die Bergkette der Sierra Madre del Sur, und immer wieder tropische Paradiese in Flussebenen mit Palmenhainen, Zitrusplantagen und gigantischen Mangobäumen. Innerhalb weniger Kilometer wechseln Landschaften, kurz hinter tropischen Idyllen kommen Hügel mit ausgetrockneten niedrigen Buschwäldern. Als neuestes touristisches Produkt bietet Morelos in der Sierra Huautla im gleichnamigen Biosphärenreservat im Süden des Bundesstaats nun auch kontrollierte Jagdferien. Die Jagdsaison dauert von November bis Dezember; von Januar bis Oktober gehört die imposante Bergregion Naturbeobachtern – insbesondere Ornithologen.

Spirituelle Reinigung in Xochicalco

Morelos ist reich an archäologischen Stätten, die berühmteste und größte ist Xochicalco, seit 1999 Unesco-Weltkulturerbe. Die Festungsstadt mit ihren Tempeln erhebt sich auf einem künstlichen, terrassenförmig angelegten Hügel in der 1300 Meter hohen Ebene südwestlich von Cuernavaca. Xochicalco erlebte seine Blütezeit zwischen 700 und 900 unserer Zeitrechnung, nach dem Untergang Teotihuacáns. Die Architektur zeigt sowohl toltekische als auch Maya-Einflüsse. Die behauenen Steine sind sauber und ohne Mörtel aneinander gefügt. Ihre Reliefs zeigen vermenschlichte Tierfiguren, unter denen die gefiederte Schlange dominiert, und Krieger. Ihre Herrscher und Priester verfügten über große astronomische Kenntnisse. In das in einer Höhle angelegte Observatorium fällt jedes Jahr zur Tagundnachtgleiche im Frühjahr der Sonnenstrahl exakt durch die Öffnung in der Mitte der Decke in die Höhle. Jedes Jahr im Frühling finden in Xochicalco Zeremonien statt, bei denen die Besucher Energien tanken und sich spirituell reinigen. Faszinierend ist die Licht- und Tonschau (Mitte November bis Ostern jeden Freitag und Sonnabendabend).

Unesco-Weltkulturerbe Xochicalco. Foto: Sectur Morelos

Unesco-Weltkulturerbe Xochicalco. Foto: Sectur Morelos

Relief in Xochicalco. Foto: Sectur Morelos

Relief in Xochicalco. Foto: Sectur Morelos

Die zahlreichen Wassererlebnisparks in ehemaligen Haziendas, in tropischen Flusslandschaften und an idyllischen Quellen locken jedes Wochenende Besucher nicht nur aus der nahen Hauptstadt an. Viele der teilweise restaurierten ehemaligen Zuckerrohr-Haziendas sind Hotels oder dienen als romantische Kulisse für Schwimmbäder und Freizeitzentren, wie Temixco südlich von Cuernavaca oder das Thermalbad Agua Hedionda in Cuautla östlich von Cuernavaca. Morelos ist ein Paradies für Naturliebhaber, die bei Rappel, Rafting oder Wandern sportliche Herausforderungen oder einfach nur Erholung suchen.

Misión del Sol bei Cuernavaca. Foto: Herdis Lüke

Misión del Sol bei Cuernavaca. Foto: Herdis Lüke

Hotel und Spa Sitio Sagrado bei Tepoztlán. Foto: Herdis Lüke

Hotel und Spa Sitio Sagrado bei Tepoztlán. Foto: Herdis Lüke

Zu den vielen Attraktionen von Morelos gehören die so genannten Holistischen Zentren in Cuernavaca und Umgebung, Wellness Hotels, in denen Körper, Geist und Seele als eine Einheit betrachtet werden. Hier können von der Hektik und den Ansprüchen des modernen Lifestyles gestresste Menschen sich auf die Natur zurückbesinnen und ihre Balance wiederfinden. In ihnen werden Kurse (Yoga, Thai Chi und Astral-Meditationen u.a.) und Behandlungen nach prähispanischen und fernöstlichen ganzheitlichen Gesundheitslehren angeboten. Die deutschstämmige Unternehmerin Renata von Dorrer hat mit ihrer „Misión del Sol“ bei Cuernavaca Maßstäbe gesetzt. Das „Sitio Sagrado“ in Amatlán bei Tepoztlán ist das neueste Holistische Zentrum, dessen schlichte minimalistische Architektur die Schönheit der Umgebung und die friedliche Atmosphäre noch unterstreicht. Das Hotel „La Casa de los Arboles“ in Zacualpan, ebenfalls bei Cuernavaca, besticht durch seine traumhaften Gärten. Ein tropisches Paradies sind das Hotel & Spa Quinta Real und Las Mañanitas in Cuernavaca.

Morelos hat sich für die nächsten Jahre noch viel vorgenommen, um Touristen zu locken. So hat das Tourismusministerium zusammen mit der lokalen Kammer für Restaurants und Lebensmittel verarbeitende Betriebe (CANIRAC) 2009 das Gastronomiefestival “Sabor es Morelos” ins Leben gerufen, das im Oktober 2010 mit großem Erfolg seine zweite Auflage feierte und das mittelfristig so bedeutend werden soll wie das größte nationale Festival, die Feria de San Marcos in Aguascalientes im zentralen Norden von Mexiko.

Cuernavaca – Stadt des ewigen Frühlings

Alexander von Humboldt taufte Cuernavaca „die Stadt des ewigen Frühlings“. Eingerahmt im Norden von über 3000 Meter hohen bewaldeten Bergen, im Osten von den imposanten bis zu 2000 Meter hohen Felsformationen des Tepozteco, im Süden von der Sierra Madre del Sur und im Westen von trockenen mit Buschwäldern bedeckten Hügeln, bietet das Tal von Cuernavaca ein einzigartiges Klima mit jährlichen Durchschnittstemperaturen von 25 Grad. Egal, zu welcher Jahreszeit man in die auf 1400 bis 1800 Meter Höhe liegende Stadt kommt, stets wird der Besucher von einer farbenfrohen Blumenpracht willkommen geheißen. Hinter hohen Mauern, von denen sich üppige Bougainvilleen in lila, rot, weiß und orange ergießen, liegen Villen in traumhaften Gärten mit riesigen Bäumen mit Blüten in leuchtend orange, weiß oder gelb. Im Frühjahr überspannen die Jacaranda-Bäume die Stadt mit einem blasslila Dach, im Winter setzen riesige rot leuchtende Christsternbüsche die farblichen Akzente. In einem verwirrenden Geflecht aus engen und steilen Straßen erstreckt sich Cuernavaca über Hügel und Schluchten, die teilweise Wildwasser führen und mit über 30 Meter hohen Wasserfällen beeindrucken.

Der Jardín Juárez im Zentrum von Cuernavaca. Foto: Sectur Morelos

Der Jardín Juárez im Zentrum von Cuernavaca. Foto: Sectur Morelos

Der Cortés-Palast in der Altstadt von Cuernavaca. Foto: Sectur Morelos

Der Cortés-Palast in der Altstadt von Cuernavaca. Foto: Sectur Morelos

Sein einzigartiges Klima und seine tropische Blumenpracht lockte schon in vorspanischer Zeit die Noblen aus der kalten Aztekenmetropole Tenochtitlán ins anmutige ausgedehnte Tal von Cuahnáhuac, um sich hier zu erholen. Mexikos Eroberer Hernán Cortés ließ sich in Cuernavaca auf den Ruinen einer Pyramide einen Palast errichten, der heute das Museum der Stadtgeschichte beherbergt. Die Wandbilder von Diego Rivera in der Loggia des Palastes erzählen vom Kampf der Spanier gegen die Azteken und huldigen Mexikos Freiheitshelden José María Morelos y Pavón, Namensgeber des Bundesstaates, und seinem Revolutionshelden Emiliano Zapata, der hier geboren wurde. Auch Kaiser Maximilian war lieber im warmen Cuernavaca als im kalten Chapultepec-Schloss der Hauptstadt. In der Villa im Borda-Garten (Jardín Borda) gab der Habsburger einst große Empfänge; später diente sie auch Präsident Porfirio Díaz als Residenz; heute ist sie Kulturzentrum, in dem Ausstellungen, Lesungen und Konzerte über die Bühne gehen.

Der Jardín Borda in Cuernavaca. Foto: Herdis Lüke

Der Jardín Borda in Cuernavaca. Foto: Herdis Lüke

Museum Casa Brady in Cuernavaca. Foto: Herdis Lüke

Museum Casa Brady in Cuernavaca. Foto: Herdis Lüke

Die Kathedrale von Cuernavaca, eine der ältesten Mexikos, birgt mit ihren zufällig entdeckten Fresken aus dem 17. Jahrhundert einen einzigartigen historischen Schatz. Die koloniale Altstadt von Cuernavaca rund um den Zócalo mit seinem angrenzenden Kunsthandwerksmarkt und dem Parque Juárez ist restauriert worden. Kein Kabelsalat mehr über den Köpfen, stattdessen in Ocker und Dunkelrot leuchtende Fassaden, Straßenlaternen nach historischem Vorbild, lauschige Ecken mit Brunnen und Pflanzen, Cafés und Restaurants. Das malerische Ambiente lockt jedes Wochenende die Besucher in Scharen. Wer sehen und gesehen werden will, ist hier genau richtig.

Der Golfclub Tabachines in Cuernavaca. Foto: Herdis Lüke

Der Golfclub Tabachines in Cuernavaca. Foto: Herdis Lüke

Tropisches Paradies: Spa-Hotel Quinta Real. Foto: Herdis Lüke

Tropisches Paradies: Spa-Hotel Quinta Real. Foto: Herdis Lüke

Im 20. Jahrhundert lockte Cuernavaca auch den internationalern Jet-Set an. Das auch wegen seiner Architektur interessante Wohnhaus des amerikanischen Kunstsammlers Robert Brady ist heute ein Museum und zeigt neben rund 1300 vorspanischen und kolonialen Objekten Bilder von Rufino Tamayo, Diego Riviera und Paul Klee. Das Haus ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Lebensstil ausländischer Millionäre in Mexiko, die hier ihr persönliches Paradies gefunden haben. Auch die amerikanische Millionärin und Woolworth-Erbin Barbara Hutton ließ sich in Cuernavaca mit Casa Sumiya eine Traumvilla bauen, in der Hoffnung, hier ihren Frieden zu finden. Die ausschließlich von japanischen Architekten und Künstlern entworfene Villa liegt in einem traumhaften Garten und beherbergt heute ein Luxushotel der Camino Real-Gruppe. Und dass hier auch der Geldadel zuhause ist, zeigt sich schon an den zahlreichen Top-Golfplätzen in Cuernavaca und Umgebung.

Cuernavaca ist neben San Miguel de Allende im Bundesstaat Guanajuato auch das bedeutendste Sprachschulzentrum Mexikos. In der Stadt konzentrieren sich die meisten Schulen für Spanisch in Mexiko. Die Schüler wohnen bei mexikanischen Familien, wo sie ihr Erlerntes gleich trainieren können.

Esoterismus in Tepoztlán

Das nur 17 Kilometer östlich von Cuernavaca liegende Städtchen Tepoztlán mit seinem Dominikaner-Kloster aus dem 16. Jahrhundert, das zusammen mit weiteren Klöstern in den Ausläufern des Popocatépetl zum Unesco-Welterbe gehört, hat sich zu einem Zentrum für Anhänger des Esoterismus entwickelt, denn den eigenwilligen und imposanten eisenreichen Felsformationen bei Tepoztlán werden magische Kräfte zugesagt. Schamanen und Heilkundler bieten ihre Dienste auf einem eigens eingerichteten Markt an. Jedes Wochenende pilgern gestresste Hauptstädter nach Tepoztlán, um sich hier zu erholen, Antworten auf Schicksalsfragen zu finden oder sich am bunten Treiben auf dem farbenfrohen Markt, den Gassen, Boutiquen, Cafés und Restaurants zu amüsieren.

Sehenswert: Die Ruta de los Conventos. Foto: Sectur Morelos

Sehenswert: Die Ruta de los Conventos. Foto: Sectur Morelos

Die Pyramide auf dem Tepozteco. Foto: Sectur Morelos

Die Pyramide auf dem Tepozteco. Foto: Sectur Morelos

Berühmt ist Tepoztlán auch für seinen Karneval. Hoch auf einem Felsen der nahen Sierra del Ajusco thront der Tepozteco-Tempel. Die von den Xochimilcas, die hier zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert siedelten, gebaute Pyramide war dem Gott des Pulque (fermentierter Agavensaft) gewidmet. Der Aufstieg allerdings ist anstrengend. Drei Kilometer geht es steil per pedes nach oben – belohnt wird die schweißtreibende Mühe mit einem atemberaubenden Ausblick. Wer sich für die prähispanische Kultur interessiert, sollte einen Besuch im Museum Carlos Pellicer nicht versäumen. In der ehemaligen Residenz des aus Tabasco stammenden Poeten ist dessen Sammlung von Objekten der Maya-, Zapoteken- und Olmeken-Kulturen zu sehen.

Im Nordosten liegen mit den ehemaligen Klöstern San Juan Bautista und Santo Domingo zwei weitere Welterbe-Stätten der Unesco. Ein koloniales Schmuckstück ist das Ex-Konvent San Juan Bautista in Yecapixtla mit seinen schönen Wandbildern. Im Südwesten liegen typische Städte wie Amacuzac, Puente de Ixtla, Jojutla und Tetecala.

Offiziele Website: www.morelostravel.com.mx

Über Herdis

Die deutsche Journalistin und Autorin Herdis Lüke hat Mexiko zu ihrer Wahlheimat gemacht. Das erste Mal lebte sie bereits von 1974 bis 1976 und von 1978 bis 1986 in Mexiko. Auch während ihrer 20 Jahre als Journalistin in Hamburg hat sie Mexiko immer wieder besucht und darüber geschrieben - als Autorin u. a. in den Mexiko-Travelnews. Seit 2006 lebt sie wieder permanent in Mexiko.