Tabasco: Abenteuer im Garten Eden von Mexiko

Rundreise durch den “Garten Eden” von Mexiko
Text und Fotos: Herdis Lüke

Tabasco – der Garten Eden Mexikos: Damit wirbt das Bundesland am Golf von Mexiko und übertreibt dabei nicht. Tabasco ist ein Schlaraffenland, in dem den Menschen nicht nur saftige Mangos und Bananen, scharfe Chilis und Pfeffer in den Schoß fallen. In Tabasco steht die Wiege der Schokolade. Mit seinen verschiedenen Ökosystemen bietet Tabasco ein spektakuläres Mosaik aus Naturschönheiten, das sich zu entdecken lohnt. Neben Veracruz und Chiapas gehört Tabasco zu den landschaftlich reizvollsten Bundesstaaten.Tabasco ist außerdem die Region, in der die Olmeken-Kultur ihren Ursprung hat. Sie gilt als die Wiege der mesoamerikanischen Kulturen, insbesondere der Maya-Kultur. Archäologische Stätten wie La Venta, Pomoná, Balancán und Comalcalco sind beeindruckende Beispiele für die vergangenen Kulturen.

Tabasco teilt sich in zwei geografische Regionen auf: Grijalva mit den Untrerregionen Chontalpa (Küste), Sierra (Berge) und Centro (Zentrum) sowie Usumacinta mit den Unterregionen Pantanto (Sümpfe) und Ríos (Flüsse). Die Fluss- und Sumpfregionen Tabascos sind geprägt von Buschwald, der das Ökosystem der Gebiete entscheidend beeinflusst, und ist der wasserreichste Bundesstaat Mexikos mit ausgedehnten Sumpflandschaften. 30 Prozent der gesamten Flusswassermenge Mexikos konzentrieren sich hier. Die meisten Menschen siedelten sich an den Ufern des Usumacinta (dessen Name „Ort der Affen“ bedeutet), und des Grijalva an, den beiden größten Strömen Mexikos. Der Usumacinta bildet die natürliche Grenze zu Guatemala und trennt gleichzeitig Tabasco vom Bundesstaat Chiapas. Das Wasser ist hier Segen und Fluch zugleich, denn regelmäßig im Herbst leiden vor allem die Hauptstadt Villahermosa und Umgebung unter schweren Überschwemmungen.

Guacamayas

Guacamayas

Jaguar in Yumká.

Jaguar in Yumká

Tabasco ist vor allem interessant für Urlauber, die sportliche Herausforderungen suchen: Sie können in wilden Wasserfällen klettern, im Boot über den Usumacinta-Fluss gleiten, auf den Flüssen Amatán und Oxolotán Stromschnellen überwinden, die Grotten von Coconá ergründen, sich mit Höhlenforschern auf Tour begeben oder die Maya-Route bis zur Schlucht Boca del Cerro wandern. Ein einzigartiges Naturerlebnis ist die überbordende Vegetation. Hier gedeihen die unterschiedlichsten Früchte, Pflanzen und Bäume wie zum Beispiel der Kakaobaum und der Chicle-Baum, aus dem Latex gewonnen wird – beides Geschenke, die Mexiko der Welt beschert hat – oder der von den Maya als heilig verehrte Ceiba-Baum. Gigantische Mango-Bäume säumen Wiesen und Felder, kilometerweite Bananen-Plantagen und saftig grüne Weiden bestimmen ganze Landstriche. Die Region La Chontalpa ist Hauptanbaugebiet von Kakao.

Grijalva nahe der Mündung in den Golf von Mexiko

Grijalva nahe der Mündung in den Golf von Mexiko

Kakaoanbaugebiet bei Comalcalco

Kakaoanbaugebiet bei Comalcalco

Beeindruckend ist die Wasserflora in den weitläufigen und zahlreichen Sumpfgebieten Tabascos. In den tiefer liegenden Sümpfen gibt es zum Beispiel Wasserlilien und Wassernymphen. Reich ist Tabasco auch an Tierarten. Hier gibt es allein 200 verschiedene Vogelarten, darunter Tukane, mehrere Papageien- und 60 Amphibienarten. Das bedeutendste Säugetier in Tabasco ist der Jaguar, der schon in vorspanischer Zeit verehrt wurde. Mit ihm im Urwald leben Brüllaffen und Spinnenaffen, Ozelots, Ameisenbären, tropische Stachelschweine, Tapire und weißlippige Wildschweine. Eben so vielfältig ist die Wassertierwelt mit ihren Langusten, Krebsen, Austern, Meeresschnecken, Mauleselbein (pata de mula), robalo und mojarra die Teil der Küche Tabascos sind. Und natürlich ist es ein Fisch, der Tabasco repräsentiert: Der kaimanartige pejelagarto, mit dem Kopf eines Kaimans und Körper eines Fischs.

Villahermosa und Zentrum

Villahermosa, die Hauptstadt von Tabasco, liegt im Zentrum (Centro) am Ufer des Grijalva. Wegen ihrer reichhaltigen Vegetation in ihren Parks und an ihren Straßen ist Villahermosa eine sympathische Stadt, die als Kongress-Destination über eine ausgezeichnete wachsende Hotelinfrastruktur verfügt. In den vergangenen Jahren ist am Park La Choca eine moderne Hotelzone entstanden, mit Boutiquen und Gourmettempeln, die höchsten Ansprüchen genügen. Inzwischen sind fast alle namhaften internationalen Hotelketten (Hyatt Regency, Holiday Inn, Hilton, Quinta Real, Crowne, Best Western) vertreten. Ein Paradies für Meeresfrüchte-Liebhaber ist das Restaurant Jangada (Paseo La Choca 126A) am Parque La Choca. Wer die abwechslungsreiche und teilweise exotische Küche von Tabasco kennen lernen möchte, ist im Restaurant El Edén in unmittelbarer Nachbarschaft bestens aufgehoben. Wie die Tabasqueños frühstücken lässt sich am besten im Restaurant Los Tulipanes (Paseo Carlos Pellicer 511) am Ufer des Grijalva. Hier liegt auch das Centro de las Investigaciones de la Cultura Olmeca, die Bibliothek José María Pini Suárez und das 1918 erbaute und 2002 nach einem Feuer restaurierte Teatro de la Ciudad Esperanza Iris, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Gouverneurspalast in Villahermosa

Gouverneurspalast in Villahermosa

In der Fußgängerzone in der Zona Luz in Villahermosa

In der Fußgängerzone in der Zona Luz in Villahermosa

Villahermosa ist schon allein wegen ihres berühmten Museumsparks La Venta einen Besuch wert, eine der besten musealen Stätten ihrer Art in der Welt. Fast sieben Hektar groß und als tropischer Urwald angelegt, ist dieser Museumspark an der Laguna de las Ilusiones in zwei Bereiche geteilt: Ein Zoologischer Garten mit Tierarten der Region und ein Archäologischer Themenpark, in dem die bedeutendsten Objekte der Olmeken-Kultur gezeigt werden, darunter drei gigantische Olmeken-Köpfe, die jeweils etwa 20 Tonnen wiegen, gravierte Stelen, Keramikfiguren und Altäre. Die hier ausgestellten Artefakte waren 1925 im archäologischen Komplex La Venta, 130 km westlich von Villahermosa im Bezirk Huimanguillo entdeckt worden. La Venta war einst ein bedeutendes urbanes, religiöses und Verwaltungszentrum der Olmeken, deren Zivilisation zwischen 500 und 1000 vor Christi entstand. Auf Initiative des Dichters Carlos Pellicer, der seinerseits ein Sammler und Hobbyforscher dieser Kultur war, wurden die Artefakte 1957/1958 nach Villahermosa gebracht, um diese vor dem Zerfall zu retten, denn La Venta liegt mitten im Erdölgebiet von Tabasco.

Olmeken-Kopf im Museumspark La Venta

Olmeken-Kopf im Museumspark La Venta

Altar des Kindes in La Venta

Altar des Kindes in La Venta

Stolz sind die Haupstädter auch auf den Park Tomás Garrido Canabal mit seiner großzügigen modernen Architektur. Benannt ist der Park nach dem umstrittenenen und als “roter Faschist” berüchtigte Gouverneur Tomás Garrido Canabal, der Tabasco interim von 1919-1920 und schließlich von 1921-1934 regierte. Er vebot die Ausübung der Religion, ließ die meisten Kirchen zerstören – am Ende seiner Regierung waren gerade mal acht Kirchen im gesamten Bundesstaat strehen geblieben – und verwandete die verbliebenen in Lager oder Schulen und verbot außerdem den Verkauf und Verzehr von alkoholischen Getränken. Dafür führte er die Alfabetisierung und Schulpflicht ein, ließ Straßen und Eisenbahn bauen und gründete die “Feria de Tabasco”, die Industrie- und Agrarmesse, die Tabasco den Anschluss an die Außenwelt beschert hat. Heute gehört die Feria de Tabasco zu den bedeutendsten Agrar- und Industriemessen Mexikos und gehört neben der Feria de San Marcos in Aguascalientes (Zentralmexiko) auch zu den beliebtesten Kulturschauen des Landes. Wegen seiner geographischen Besonderheit waren die Tabasqueños auch witschaftlich lange isoliert vom Rest des Landes. Bevor die Spanier kamen – und noch lange danach – , bildeten die Flüsse die einzigen Transportwege.

Laguna de las Ilusiones in Villahermosa

Laguna de las Ilusiones in Villahermosa

Meeresfrüchtebuffet im Restaurant Jangada in Villahermosa

Meeresfrüchtebuffet im Jangada in Villahermosa

Gut flanieren lässt es sich in der Calle Juárez im historischen Zentrum von Villahermosa, auch bekannt als Zona Luz, wo sich auch das berühmte Kachelhaus (Casa de los Azulejos) im neobarocken Stil befindet. Hier ist heute das Museum der Geschichte Tabascos (Museo de la Historia de Tabasco) untergebracht. Vor allem abends ist ein Spaziergang durch die Gassen ein Vergnügen, wenn sich die Menschen zum Plausch und Essen in den zahlreichen Restaurants und Kaffee-Häusern treffen.
Kunst wird in der Calle Sáenz groß geschrieben: Zahlreiche Galerien sind in dieser Straße zu finden, darunter das Museum Casa Carlos Pellicer – das Geburtshaus des illustren Poeten – und die Galerie Jaguar despertado (übersetzt: Der aus dem Schlaf erwachte Jaguar), in der Ausstellungen nationaler wie internationaler Künstler gezeigt werden. Das Herz der Stadt bildet die Plaza de las Armas (Platz der Waffen), auf deren Terrasse Volksfeste gefeiert werden. Von hier aus führt die moderne Fußgängerbrücke Solidaridad über den Grijalva. Touristenführer warnen jedoch davor, sich in der Dunkelheit auf die andere Seite des Stroms zu begeben. Gegenüber der Plaza de las Armas liegt der Gouverneurspalast, dessen Haupttor aus Mahagony wunderschöne Schnitzereien zieren. Die Gitter aus Eisen, Schlösser aus Bronze und die feinen geschliffenen Fenster des Palastes im neoklassizistischen Ziel waren eigens aus Frankreich importiert worden. Die Empfängniskirche (Templo de la Concepción), besser bekannt als Iglesia de la Conchita, wurde im Jahr 1799 auf Ersuchen des spanischen Kapitäns Francisco de Interiano erbaut und überlebte Garridos fanatische Zerstörungswut. An der Uferpromenade gibt es ein paar urige Kneipen und Musikbars, wo sich die Jugend von Villahermosa gerne trifft. Nach den schweren Überschwemmungen 2007 hat die Uferpromenade eine Mauer bekommen – damit ist die Altstadt nun zwar sicherer, die Promenade aber leider unattraktiv geworden. Dafür ist die Alstadt teilweise bereits verschönert worden. Von Villahermosa aus sind alle touristischen Sehenswürdigkeiten sehr gut über ein modernes Autobahn- und Fernstraßennetz zu erreichen.

Yumká: Ausflug in die drei Ökosysteme von Tabasco

Nur drei Kilometer vom Internationalen Flughafen von Villahermosa Richtung Osten entfernt, liegt das Zentrum für das Verständnis und das Zusammenleben mit der Natur (Centro de Interpretación y Convivencia con la Naturaleza Yumká. Yumká bedeutet in der Maya-Chontal-Sprache “Der Zwerg der den Urwald hütet” bedeutet. Dieser Ort ist ein tropisches Paradies: Seine Schönheit ist einfach unvergleichlich. Hier findet man die drei wichtigsten Ökosysteme des Landes: Urwald, Savanne und Sümpfe. Der Besucher mag sich wundern, hier auf Elefanten, Zebras und Giraffen zu treffen. Hier handelt es sich aber nicht um irgend einen Zoo: Ziel dieses einzigartigen Naturerlebnis-Zentrums ist, Respekt und Bewusstsein für den Erhalt der globalen Natur zu wecken. Besuchern empfiehlt es sich daher, einen Führer zu engagieren, der ihnen alles über die Ökosysteme anschaulich erklärt.

Leguan in Yumka

Leguan in Yumka

Giraffe und Zebras in Yumká

Giraffe und Zebras in Yumká

Hier fühlt man sich in einen Abenteuerfilm versetzt a la Crocodile Dundee. Inmitten uralter Bäume beherrschen Wild, Jaguare, rote Pagayen (Guacamayas), Leguane, Affen und Tukane die Szenerie. Schon kurz nach beginn des Rundgangs gelangt man zu einer Hängebrücke, von der aus man einen wunderbaren Blick auf einen natürlichen Brunnen hat, an dem Krokodile dösen, Schildkröten sich tummeln und Vögel rasten. Im Innern des Urwalds liegt die Lagune El Pozo, in deren Wasser sich die Magie Yumkás widerspiegelt – ein idealer Ort, um sich bei einem Bad zu erfrischen und sich zusammen mit den vielfarbigen Fischen in ihrem Element zu bewegen.

Auf dem Rückweg nach Villahermosa lädt der kleine Ökopark La Finca mit seinem ausgezeichneten Spezialitätenrestaurant zum Verweilen ein. La Finca ist übrigens auch eine gute Alternative für Leute, die nicht in Villahermosa übernachten möchten. La Finca bieten komfortable kleine Palmhütten zum Übernachten. Wer es luxuriös möchte, findet im nahen Hotel Hilton die passende Bleibe.

Flüsse und Sümpfe

Für Centla sollte man sich einen ganzen Tag Zeit nehmen. Das Biosphärenreservat liegt im Sumpfgebiet Pantanos und ist über die Fernstraße 180 von Villahermosa aus Richtung Osten über Frontera zu erreichen. 39 verschiedene Fischarten, 50 Amphibien- und Reptilienarten, 60 verschiedene Säugetiere und 125 Vogelarten haben hier ihren natürlichen Lebensraum. Das Bioreservat Besonders empfehlenswert ist ein Besuch in Punta Manglar in den Pantanos de Centla, wo eine Privatinitiative eine Krokodil- und Schildkrötenaufzucht betreibt. Das Zentrum ist Anlaufstelle für Naturbeobachter und Wissenschaftler, insbesondere Ornithologen. Von hier aus werden Touren angeboten in die Mangroven, durch die begehbare Stege führen. (Adresse: Km. 10 Carretera Frontera-Jonuta). Allerdings: Im Hochsommer während der Regenzeit sollte man sich hier nicht unbedingt aufhalten. Die Moskitos sind erbarmungslos. Dafür sind die Temperaturen im Gegensatz zur Trockenzeit im April mit bis zu 38 Grad erträglicher. An der Küste liegen herrliche und ruhige Strände wie Miramar, Pico de Oro, Playa Azul und El Bosque.

Punta Manglar in Pantanos de Centla

Punta Manglar in Pantanos de Centla

Mangrovenwald in Pantanos de Centla

Mangrovenwald in Pantanos de Centla

Jonuta – der Name ist abgeleitet aus dem Náhuatl-NamenShono-tla und bedeutet “wo es viele Jonote- und Jolosín-Bäume gibt” – liegt ganz im Süden von Centla am Usumacinta und ist nur durch eine 600 Meter lange Brücke zu erreichen. Hier gibt es 30 Lagunen, darunter Laguna Grande, Plátano und Atascadero. Die Bevölkerung lebt auch hauptsächlich vom Fischfang. In dem Ort gibt es ein kleines Museum, in dem verschiedene Objekte der Maya-Kultur zu sehen sind, die hier gefunden wurden.

Auf dem Weg von Villahermosa Richtung Süden liegt Macuspana, wo es weitere 27 Lagunen gibt, von denen El Pajonal, Desecho, Manatinero, La Palma, Sábanas Nuevas, Mixteca, Morelos und San Juanito die schönsten sind. Hier kommen vor allem der Robalo und Pejelagartosowie Schildkröten vor. Ein fantastischer Ort zum baden ist Agua Blanca, 71 Kilometer südlich von Villahermosa entfernt (von der Mex 186 geht die Abzweigung bei Macuspana ab), ist dieser Ort berühmt für seine weißen, schäumenden Wasser. Nach der Legende wurde Agua Blanca aus den Tränen der Prinzessin Iztac-ha geboren. Nicht weit entfernt von hier führt ein befestigter Weg zu einer großen Grotte, wo der Bach entspringt, der sich als Wasserfall in die Tiefe stürzt.

Zu empfehlen ist auch ein Besuch im Bezirk Tenosique, wo die Maya-Stätten Pomoná und Balancán liegen. Die Pyramide am Ufer des Usumacinta wurde erst 1959 von einer Gruppe Bauern entdeckt. Pomoná (186 km südöstlich von Villahermosa) war dank ihrer geographischen Lage einst eine privilegierte Handelsstätte, die ihre Blütezeit in der spätklassischen Maya-Periode von 600 bis 900 n. Chr. erlebte. Sie nahm eine herausragende Stellung in Wirtschaft und Politik der Region ein. Erbaut vorwiegend aus Kalkstein, besteht die Pyramidenstätte aus sechs architektonischen Einheiten, von denen nur eine – der Nordflügel – vollständig ausgegraben und erkundet ist. Von hier aus sind ihre 13 Gebäude gut zu sehen.

Die Maya-Stätte Balancán gilt als eine der touristischen Hauptattraktionen des Bezirks. Bei dieser Stadt 195 Kilometer südöstlich von Villahermosa entfernt breitet sich eine herrliche Landschaft mit weiten Savannen aus. Balancán ist gleichzeitig ein Zentrum für Wassersport und Ausgangspunkt für Öko-Tourismus.
Lohnend ist auch ein Abstrecher in die Stadt Emiliano Zapata, 143 Kilometer südöstlich von Villahermosa entfernt und ebenfalls über die Fernstraße 186 zu erreichen. Sie gilt als der Balkon des Usumacinta. Hier ist es vor allem nachmittags nett: Während man unter dem Dach des alten Kiosks im Ort einen Drink nimmt, lässt man die Menschen auf dem Malecón, wie in Mexiko eine Uferpromenade genannt wird, an sich vorbei ziehen und beobachtet die Fischer, wie sie ihre Beute aus dem Fluss fischen.

Die Region La Sierra: Tarzan lässt grüßen

Der Weg ist das Ziel, und das trifft besonders auf die landschaftlich wunderschöne Strecke von Villahermosa in die Berge nach Tapijulapa zu, egal ob man über Teapa oder Tacotalpa fährt. Die Unterregion La Sierra liegt geographisch im mittleren Süden von Tabasco. 4000 Quadratmeter groß, konzentriert sich hier vor allem die Ölindustrie. In der Umgebung von Macuspana gibt es zahlreiche Lagunen und Flüsse. Besonders sehenswert sind die Wasserfälle von Agua Blanca. Das Wasser bahnt sich seinen Weg über Felsen und durch dichte Vegetation hindurch. Die gleichnamigen Grotten liegen im Ejido (genossenschaftliches Land) von Las Palomas.

Am Fluss Oxolotán in der Sierra von Tabasco

Am Fluss Oxolotán in der Sierra von Tabasco

In Tapilujapa am Ufer des Oxolotán

In Tapilujapa am Ufer des Oxolotán

Zuckerrohranbau bestimmt den Charakter der Gemeinde Tacotalpa und seiner freundlichen und heiteren Bewohner. Ein lohnendes Ziel für Touristen ist vor allem der Ort Oxolotán am gleichnamigen Fluss, an dessen Ufer ein ehemaliges Dominikaner-Kloster aus der Kolonialzeit thront. Nicht weit von hier treffen bei Tapijulapa die Flüsse Oxolotán und Amatán zusammen. Vom Ufer führt eine Treppe zum hübschen Zócalo, wie der Hauptplatz wie überall in Mexiko genannt wird. Über dem Ort thront die Ende des 17. Jahrhunderts gebaute Kirche Santiago Apostól, von der aus man einen fantastischen Blick über das Städtchen zum Fluss genießen kann.

Am Zócalo von Tapijulapa

Am Zócalo von Tapijulapa

Straße in Tapijulapa

Straße in Tapijulapa

Mit seinen gepflasterten Straßen und seinen traditionell weiß getünchten Häusern und roten Ziegeldächern, wurde der pittoreke Ort 2010 zum Pueblo Mágico erkklärt, zu einem “Magischen Ort”, wie sich das Programm des Mexikanischen Tourismusministeriums nennt, das historisch bedeutende und touristisch attraktive Orte fördert. Heute gibt es mehrere hübsche kleine Hotels (Hoteles Comunitarios) und Restaurants in den malerischen Gassen. Das Restaurant am Zócalo besticht durch seine herrliche Terrasse, die einen Blick auf die üppige Vegetation am Fluss freigibt. Berühmt sind die Korbmöbel und Kunsthandwerk aus Korb, die hier hergesellt werden. Nur fünf Minuten von hier liegen die Schwefelquellen von Villa Luz, und 500 Meter weiter ein weiterer Schwefelteich, dessen Wasser aus der Höhle der blinden Sardine (Cueva de la Sardina Ciega) gespeist wird. An diesem herrlichen Ort findet jedes Jahr in der Osterzeit ein großes Fest statt. Das nahe gelegene Schwimmbad bietet eine willkommene Abkühlung nach einer anstrengenden Tour. Aus der Mitte des großen Beckens entspringt eine Quelle mit Schwefelwasser. Nur 1,5 Kilometer von hier entfernt gelangt man zum Ferienhaus des ehemaligen Gouverneurs von Tabasco, Tomás Garrido Canabal.

In La Sierra unweit von Tapijulapa liegen auch die privatwirtschaftlich betriebenen Öko-Reserven Yu Balcah und Kolem-Jaá mit einem 200 Meter breiten Wasserfall. Kolem-Jaá gilt als das Ziel für Leute, die Abenteuer in der Natur suchen. Das hübsche Bungalow-Hotel oberhalb des Flusses Oxolotán liegt inmitten eines riesigen riesigen Geländes, wo der Urwald wieder aufgeforstet und heimische Pflanzen gezüchtet werden. Hier können Urlauber sich auch bei Canopy oder Tirolesa über mehrere Etappen oder beim Rappel (Klettern im Wasserfall) austoben, anschließend die Natur beobachten, im Restaurant, das im Stil einer altenm Hazienda gebaut wurde, leckere regionale Gerichte speisen und abends am Lagerfeuer nahe des Wasserfalls abhängen. Die Herausforderung indes ist nicht das Schwingen an einem Drahtseil hängend über den Urwald oder eine Schlucht. Sind Sie schon mal auf einer Hängeleiter 30 Meter hoch in einen Baumwipfel gestiegen? Probieren Sie es mal. Wenn Sie sich dann wie Tarzan teilweise mehrere hundert Meter über den Urwald von Baum zu Baum geschwungen haben, werden Sie sich fühlen wie ein echter Held. Es lohnt sich!

Canopy In Kolem-Já

Canopy In Kolem-Já

Campesinos in der Sierra

Campesinos in der Sierra

Nicht weit von Teapa liegt der Berg Coconá mit seiner berühmten gleichnamigen Höhle. Ein Rundgang durch die verschiedenen Hallen ist schon beeindruckend wegen der Felsformationen, die, vom Wasser und der Zeit geformt, Namen tragen wie El Monje (der Mönch) oder Árbol de Navidad (Weihnachtsbaum). Das Schönste an diesen Höhlen sind aber ihre großen Hallen und ihre Lagune. Der Schlamm der Höhle eignet sich auch hervorragend als Gesichtsmaske: Die Haut wird dadurch gereinigt und gestrafft. Nur 15 Kilometer von hier liegt das Naturbad El Azufre, der Puyacatengo-Fluss und die Stadt Teapa mit ihrer Kirche aus dem 17. Jahrhundert, einem archäologischen Museum und der Quelle El Mure.

La Chontalpa: Das Paradies auf Erden –

Eine der Unterregionen des Grijalva-Stromes ist La Chontalpa im Nordwesten von Tabasco. Hier finden die Besucher nicht nur ein einzigartiges Naturparadies, sondern mit der archäologischen Stätte von Comalcalco auch eine faszinierende Ausgfrabungsstätte. Etwa 60 km nordwestlich von Villahermosa mitten im Kakaoanbaugebiet gelegen, beeindruckt hier vor allem die Bauart, denn nicht aus Kalkstein, dem sonst üblichen Baumaterial, wurden die Pyramiden und Tempel aus gebrannten Ziegelsteinen errichtet, die von einem Mörtel aus Austernschalen zusammengehalten werden. Comalcalco ist die westlichste Maya-Stadt und erlebte ihre Blütezeit in der Spätklassik von 700-900 n. Chr. Kunstvoll verzierte Ziegel schmücken Wände und zeugen von der einstiugen Schönheit der großzügig angelegten Stadt. Die wichtigsten Bauten sind die nördliche Plaza, die Große Akropolis und Akropolis Ost.

Die Maya-Stätte Comalcalco

Die Maya-Stätte Comalcalco

Magische Stimmung in Comalcalco

Magische Stimmung in Comalcalco

Nicht weit von Comalcalco konzentrieren sich mehrere Kakaoplantagen, die zu besuchen sind. Wir empfehlen besonders die Hacienda de la Luz (Bulevar Leandro Rovirosa Wade, etwa fünf Kilometer von der archäologischen Stätte Comalcalco entfernt), die 1930 von dem eingewanderten deutschen Arzt Otto Walter gekauft wurde und dessen Nachkommen sie heute noch bewirtschaften und hier auch leben. Insgesamt umfasst die Hazienda 26 Hektar, darunter 15 Hektar Weideland und fünf Hektar Urwald. Das Haupthaus beherbergt heute ein interessantes kleines Museum, das die Produktion von Kakao anschaulich erklärt. Zahlreiche Objekte, darunter Gebrauchsgegenstände wie Nähmaschinen, alte Möbel, Truhen und vor allem unzählige Fotos an den Wänden zeugen vom Leben und Lebensstil auf den alten Haziendas. Die Urenkelin von Otto Walter übernimmt persönlich die Führungen durch die Hazienda, die Kakaoplantage und die Schokoladenfabrik.

In der Hacienda Cacaotera Jesús María

In der Hacienda Cacaotera Jesús María

Kakaobaum

Kakaobaum

Eine weitere interessante Kakao-Finca ist Cholula (Carretera Comalcalco-Paraíso, km 3.5). Zwölf Hektar groß, existierte sie bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Gegründet von einem Franziskaner-Mönch, wurde sie 1948 von dem deutschstämmigen Juan Riberoll gekauft. Seine Familie betreibt auch heute noch die Finca und bietet Führungen durch die Plantage und Fabrik. In das Leben und Wirken auf einer Kakao-Plantage in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurückversetzt wird der Besucher auf der Hazienda Jesús María (Ranchería Sur, Quinta Sección, Comalcalco), wo Musiker und Laiendarsteller auf sympathische Weise die Gäste begrüßen und zeigen, wie die Menschen hier lebten und arbeiteten. Von der angrenzenden Fabrik strömt der Duft nach Schokolade in die Nase – sich im Laden der Hazienda einzudecken, ist fast schon ein Muss. In Tabasco lernt man, dass die Schokolade also hier ihren Ursprung hat und nicht in Oaxaca. Die Oaxaqueños wussten sie einfach nur besser zu vermarkten. Dass Schokolade auch äußerlich gut für die Schönheit ist, beweisen die zahlreichen Cremes, mit denen in Wellness- und Gesundheitszentren des Landes Patienten behandelt werden.

Empfangskomitee in er Hazienda Jesús María

Empfangskomitee in er Hazienda Jesús María

Frische Kakaofrucht vor Verarbeitung der Bohne

Frische Kakaofrucht vor Verarbeitung der Bohne

Inzwischen tut Tabasco aber selbst alles, um Marktanteile zu gewinnen und hat sogar eigens ein Schokoladen-Festival, eine Mischung aus Messe und kulturellen Events rund um die Schokolade, ins Leben gerufen, die erstmals im Herbst 2010 in Villahermosa über die Bühne gegangen ist. Erneut findet das Festival vom 23. bis 27. November 2012 statt. Wer mehr über Schokolade und ihre Geschichte wissen möchte, sollte mal auf diesen Seiten surfen: www.geschichte-der-schokolade.de.

La Chontalpa bietet seinen Besuchern ein Naturparadies sondergleichen, wie ein Abstecher nach Puerto Ceiba bei Paraíso, Hafenstadt und gleichnamige Bezirkshauptstadt nahe der Küste, beweist. Das Fischerdorf liegt am Ufer der Laguna Mecoacan, wo der Río Seco (“Trockener Fluss”) in die Lagune mündet. Puerto Ceiba war einst ein bedeutender Umschlagsplatz für Kakao, Magagoni, Mais und andere Agrarprodukte, die von hier über die verschiedenen Wasserwege unter anderem nach Villahermosa transportiert wurden. Heute gibt es hier moderne Hotels (u. a. das Holiday Inn Express) und fantastische Meeresspezialitäten-Restaurants am malerischen Ufer. Besonders zu empfehlen ist das Restaurant Parador Turístico Puerto Ceiba.

Ein Paradies ist Puerto Ceiba

Ein Paradies ist Puerto Ceiba

Gebackene Garnelen in Puerto Ceiba

Gebackene Garnelen in Puerto Ceiba

“Río Seco” ist ein Arm des Flusses Mezcalapa oder auch “Dos Bocas” (Zwei Mündungen), so genannt, weil die immer wieder vom Piraten Laureen Graff (besser bekannt als “Lorencillo”) im 16. Jahrhundert heimgesuchten Bewohner den Fluss beim Paso de don Chilo Pardo zuschütteten, um den Piraten den Weg zu versperren, und seinen Lauf in einen Zufluss zum Grijalvo umleiteten. Damit verlor der Fluss drastisch an Wassermenge und heißt seitdem “Trockener Fluss”.

75 Prozent des Bezirks Nacajuca, der südlöstlich von Paraíso zwischen Comalcalco und Centla liegt, ist von Sümpfen, Lagunen und Bächen bedeckt. Das Besondere an seinen Bewohnern ist ihre Begeisterung für Volksmusik. Was diese Region zusätzlich noch so interessant macht, sind ihre überlieferten indianischen Traditionen, die hier noch sehr gepflegt werden. Das zeigt sich vor allem auch im Kunsthandwerk. Besonders schön sind die farbenprächtig bestickten Bänder, Flöten aus Schilfrohr und Masken. Einzigartig ist die Zelebrierung des Totentages am 2. November, wenn die Menschen ihre fantasievollen Altare aufbauen und ihren Verstorbenen zahlreiche Opfergaben darbieten. Die gleichnamige Kreisstadt liegt nur 26 Kilometer von Villahermosa entfernt.

An der Autobahn 180 liegt auch der Ort Saloya, der berühmt ist für seine landestypischen Restaurants. Hier wird vor allem gegrillter oder nach regionalen Rezepten gekochter Süßwasserfisch serviert. Sehenswert ist auch die Kirche Iglesia de la Vírgen de la Asunción in Cupilco, die vor allem wegen ihrer bunten Ornamente besticht. An jedem 30. Eines Monats kommen die Frauen von Cupilco in die Kirche, nehmen die Jungfrau vom Altar, reinigen sie mit parfümiertem Öl und wechseln ihre Kleider. Cupilco gehörte übrigens auch zu jenen auserwählten Orten, die Papst Johannes Paul II. auf einer seiner Reisen in den 1980er Jahren in Mexiko besucht hast, wovon ein Denkmal zeugt.

Die Kirche von Cupilco

Die Kirche von Cupilco

Die Jungfrau in Cupilco

Die Jungfrau in Cupilco

Von der Olmeken-Siedlung La Venta in Huimanguillo im Westen von Tabascosind Reste nur noch im regionalen Museum zu bewundern. Im Gebiet von Huimanguillo liegt verborgen im Urwald die Pyramiden-Stätte Malpasito, die ihre Blütezeit etwa 400 n. Ch. erreichte. Die Anlage wurde auf künstlichen Terrassen errichtet, was das architektonische Können der Maya bestätigt. Zwischen den einzelnen Gebäuden liegt der Ballplatz und der Zentrale Platz, von dem aus man einen fantastischen Ausblick genießen kann.

Reisetipps
Für Tabasco sollte man sich ruhig mehrere Tage Zeit lassen. Man kann Tabasco sehr gut mit einer Reise durch den Südosten Mexikos und einer Yucatán-Rundreise verbinden, zum Beispiel von Chiapas kommend über Palenque nach Villahermosa und anschließend nach Campeche, Mérida, Cancún bis Chetumal und zurück. Von Villahermosa aus lässt sich Centla an einem Tag sehr gut bewältigen, ebenfalls Yumká mit La Finca. Für la Chontalpa sollte man zwei Tage einplanen (eine Übernachtung in Paraíso) und für die Sierra ebenfalls eine Übernachtung in Kolem- Jáa. Für Balancán und Pomoná empfiehlt sich eine Übernachtung in Tenosique. Brauchen Sie hilfe bei der Planung? Magisches Mexiko ist Ihnen gerne behilflich dabei.

Ein paar Gesundheitstipps
Für einen unbeschwerten Aufenthalt in Tabasco sollten Sie einige Gesundheitstipps beachten: Bequeme Kleidung – am besten aus Baumwolle oder Leinen -, Stiefel oder rutschfeste Tennisschuhe, breitkrempiger Hut oder Mütze zum Schutz gegen die Sonne sollten das Outfit bestimmen. Nicht zu vergessen ausreichend Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor und vor allen Dingen Insektenschutzmittel (Repelente). Am besten hat sich immer noch Autan bewährt. Es gibt inzwischen auch natürliche Insektenschutzmittel (Repelente biológico), die Sie in den diversen Apotheken und Sportgeschäften bekommen. Vitamin B-Tabletten helfen übrigens auch gegen die Plagegeister: Sie mögen den Geruch nicht und lassen einen in Ruhe. Gegen das lästige Jucken hilft am besten “First Aid”. Alle diese Mittel bekommen Sie auch in den meisten Hotel-Shops, wo sie aber fast doppelt so teuer sind wie in den Apotheken (Farmacia). Sie sollten sich bei Rundgängen und Exkursionen auch nicht mit unnötigem Gepäck belasten, sondern nur das mit sich herumschleppen, was sie wirklich brauchen. Ein Muss ist allerdings mindestens eine Flasche (1 Liter) Wasser für unterwegs. Das bekommen Sie auch überall für wenige Pesos. Häufig wird in Deutschland von Ärzten zu einer Malaria-Prophylaxe geraten, was allerdings nicht wirklich nötig ist.

Über Herdis

Die deutsche Journalistin und Autorin Herdis Lüke hat Mexiko zu ihrer Wahlheimat gemacht. Das erste Mal lebte sie bereits von 1974 bis 1976 und von 1978 bis 1986 in Mexiko. Auch während ihrer 20 Jahre als Journalistin in Hamburg hat sie Mexiko immer wieder besucht und darüber geschrieben - als Autorin u. a. in den Mexiko-Travelnews. Seit 2006 lebt sie wieder permanent in Mexiko.