Foto oben: Agavenanbaugebiet bei Tequila in Jalisco. Foto: Secretaría de Turismo de Jalisco
Mexiko-Stadt, 15. Dezember (MTN) – Die Plaza Garibaldi in Mexiko-Stadt, seit Jahrzehnten für unzählige ausländische Touristen der Ort ihrer obligaten Tequila-Taufe im “Tenampa” – ohne die ist man nicht wirklich in Mexiko gewesen – erstrahlt in neuem Glanz: Nach knapp anderthalb Jahren Baustelle und mehreren Millionen Pesos an Investitionen hat der Platz ein neues, sauberes Gesicht und ein Tequila- und Mezcal-Museum bekommen, das der Bürgermeister der Hauptstadt Mexikos, Marcelo Ebrard, nun mit einer großen Einweihungssause in Begleitung zahlreicher Lokalprominenz eröffnet hat. Mit dabei: Der neue Gouverneur von Oaxaca, Gabino Cué, der es mit seiner Allianz aus Links- und Rechtsparteien im Juli geschafft hat, die ehemalige Regierungspartei PRI nach mehr als 80 Jahren in Oaxaca in die Opposition zu schicken. Aus Oaxaca kommt der etwas ruppigere Bruder des Tequila, der Mezcal.

Marcelo Ebrard (Mitte), Gabino Cué (links) und Architekt Felipe Leal im Tequila-Museum. Foto: Gobierno del D. F.
Das Museum zeigt seinen Besuchern auf 1500 Quadratmetern nicht nur die Geschichte des Tequilas und des Mezcals, sondern auch den gesamten Produktionsprozess vom Anbau der verschiedenen Agave-Sorten über Destillation und Lagerung bis zum Endverbraucher. Zu sehen (und zu probieren) sind die zahlreichen Tequila- und Mezcalsorten, die sich von Region zu Region unterscheiden. Charakteristisch für den Mezcal aus Oaxaca, zum Beispiel, ist die rauchige Note und der Wurm, der ihm die besondere Würze verleiht. Der Tequila wird ausschließlich aus der blauen Agave gewonnen. Den Namen hat der Nationalschnaps von dem malerischen Städtchen und “Magischen Ort” Tequila, etwa 80 Kilometer nordwestlich von Guadalajara im Bundesstaat Jalisco gelegen. Das Anbaugebiet erstreckt sich auf den Staat Jalisco und einige Gebiete in den Bundesstaaten Guanajuato, Nayarit, Michoacán, Sinaloa und Tamaulipas. Das Agavenanbaugebiet in Jaslico wurde 2006 von der Unesco zum Weltnaturerbe gekürt.
Auf der Dachterrasse des Tequila-Museums befindet sich eine Tequila- und Mezcal-Bar. Schon jetzt werden Wetten darauf abgeschlossen, wo in Zukunft mehr los sein wird: im traditionellen “Tenampa” oder in der hippen Tequila-Bar. Der Blick auf die Kulisse der Plaza Garibaldi mit den restaurierten kolonialen Fassaden und den Platz, den nun kleine mit blauen Agaven bepflanzte Hügel und moderne Sonnenzelte zieren, ist fantastisch.
Mit dem Museumsbau des Architekten Felipe León, der gleichzeitig Minister für Urbane Entwicklung und Wohnungsbau von Mexiko-Stadt ist, sind die Anwohner bis jetzt allerdings nicht glücklich. “Hässlicher Kasten”, “sieht aus wie ein Pesero” (so wurden früher die als Sammeltaxis fahrenden Kombis genannt), “scheußlich”, waren nur einige der Kommentare zu dem Bau, dessen Glasfassade stilisierte Agaven und Mariachi-Musiker zieren. Außerdem gefällt den Anwohnern nicht, dass der Platz vom Eje Central, eine der verkehrsreichsten Achsen in Mexiko-Stadt, nicht mehr einzusehen ist.
Felipe Leal ist sich jedoch sicher, dass sein Werk früher oder später akzeptiert werden wird: “Die Place Pompidou ist am Anfang bei den Parisern auch nicht angekommen. Und heute ist Paris ohne die Place Pompidou undenkbar. Außerdem mussten wir eine Lösung finden für den Verkehrslärm, der vom Eje Central auf den Platz schallte.” Dass auch der typische Kiosk in der Mitte des Platzes abgerissen wurde, habe Sicherheitsgründe gehabt, so Leal. Außerdem sei der Kiosk auch gar nicht wirklich alt, sondern ein Nachbau gewesen. “Hier übernachteten Obdachtslose und Drogenabhängige, die Sicherheitslage war hier prekär. Deshalb mussten wir den Kiosko abreißen”, erklärte Leal. Journalisten lästerten auf der Einweihungsparty, welchen Garten wessen Funktionärs der Kiosk nun wohl zieren mag?
Die Plaza Garibaldi, meint der Bürgermeister, stehe wie kaum ein anderer Ort in Mexiko für das mexikanische Nationalgefühl. Ebrard: “Ihr kultureller Wert dank der Mariachi und ihrer Musik, des Tequila und Mezcal sind Grund genug, diesen Platz zu retten.” Die Umgebung des symbolträchtigen Platzes indes gehört nicht zu den Aushängeschildern der Stadt. Die Stadtviertel Tepito und Lagunilla sind berüchtigt. Bis diese saniert und auch für die Anwohner bessere Lebensbedingungen geschaffen sind, wird noch ein Weilchen vergehen. Nun werden Investoren gesucht, die hier sanieren und/oder neu bauen. Davon erhofft sich die Stadtregierung einen wichtigen Impuls für diese alten, traditionsreichen Stadtteile in unmittelbarer Nachbarschaft des inzwischen in großen Teilen aufwändig restaurierten Historischen Zentrums. Mit der Plaza Garibaldi, wo demnächst auch eine Mariachi-Akademie eröffnet wird, ist schon mal der Anfang gemacht.
Das Tequila- und Mariachi-Museum ist seit dem 15. Dezember für das Publikum geöffnet. Eintritt: 50 Pesos für Erwachsene ab 18 Jahre, 30 Pesos für Kinder und Jugendliche von fünf bis 17 Jahren. Der Eintrittspreis beinhaltet eine Tequila- und Mezcalprobe. (Herdis Lüke)
Weitere Bilder von der Plaza Garibaldi und der Eröffnungssaue finden Sie auf www.mex4you.com







