Querétaro in Mexiko: Eine Stadt zum Verlieben

Text und Fotos: Herdis Lüke

Santiago de Querétaro, wie die Hauptstadt des Bundesstaat Querétaro offiziell heißt, liegt nördlich von Mexiko-Stadt in Zentralmexiko. Querétaro gilt als Wiege der mexikanischen Unabhängigkeit, denn hier begann 1810 die von Pater Miguel Hidalgo angeführte Verschwörung gegen die spanischen Kolonialherren. Von Mexiko-Stadt sind es 222 Kilometer oder knappe drei Stunden über die Autobahn Richtung Norden nach Querétaro. Ihre Paläste und Sakralbauten, die malerischen Plätze und die Reste des riesigen Aquädukts aus der Kolonialzeit machen die 1531 gegründete Stadt zu einer der schönsten im Herzen Mexikos. Die historischen Gebäude gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Querétaro ist auch ein lohnendes Ziel für Feinschmecker. Nicht umsonst liegen die Stadt und ihre Umgebung auf Mexikos neuer Feinschmecker-Route Aromas y Sabores de México.

Fast alle Gassen im Zentrum sind Fußgängerzonen, so lässt sich die Stadt wunderbar entdecken. In den Fußgängerpassagen tobt das Leben schon von mittags an, bis spät in die Nacht herrscht – dank unzähliger Musikbars, Lounges und Restaurants – fröhliches Remmidemmi. Abends erstrahlt die Stadt in prachtollem Licht, die Gebäude sind angestrahlt und unterstreichen ihre majestätische Schönheit.

An den Beginn des Unabhängigkeitskampfes 1810 erinnert jedes Jahr im Monat September ein Schauspiel, das in den Gassen und in historischen Kulissen rund um die Plaza de Armas aufgeführt wird. Die Ehefrau des damaligen Bürgermeisters, die „Corregidora“ Josefa Ortíz de Domínguez, unterstützte die Bewegung und warnte Hidalgo von der Aufdeckung der Pläne. Jedes Jahr zu den Feiern der Unabhängigkeit im September wird hier diese Episode wieder lebendig. Die Plaza de Armas wird gesäumt von Cafés und Restaurants, dem Regierungspalast (und einstigem Wohnsitz der Corregidora) und prachtvollen Herrschaftshäusern. Geziert von einem schönen Brunnen, Bäumen, bunten Blumen und Bänken, die zum Pausieren einladen, lässt es sich hier wunderbar ausruhen. Im Restaurant 1810 kann man nicht nur hervorragend speisen, sondern auch die vorbeflanierenden Menschen beobachten.

Plaza de Armas in Querétaro

Plaza de Armas in Querétaro

Flaniermeile Plaza de Armas

Flaniermeile Plaza de Armas

Beim Rundgang durch die Gassen des Historischen Zentrums werden Sie viele schöne Ecken und romantische Plätze mit Brunnen entdecken. Querétaros Altstadt wartet mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten auf. Dazu zählen vor allem die Kirche und das ehemalige Kloster San Francisco, wo heute das Regionale Museum untergebracht ist (Corregidora Sur 3). Was früher das Atrium des Klosters war, ist heute der Jardín (Garten) Zenea, an dessen Quiosco sich abends gerne Liebespaare treffen. Nicht weit von hier liegt an der Calle Madero die Casa de la Marquesa de la Villa del Villar del Aguila, kurz La Marquesa genannt, ein 1756 errichteter prachtvoller Barockbau, dessen Mauern heute ein Luxushotel beherbergen. Auch wenn Sie dort nicht nächtigen: Werfen Sie ruhig einen Blick hinein, frühstücken oder speisen Sie im Restaurant oder trinken einfach nur einen Kaffee: Es lohnt sich! Jedes Zimmer ist anders eingerichtet und dekoriert, wunderschön sind die geschliffenen hohen Fenster und der maurische Innenhof. Hier vergessen Sie leicht die Zeit…

Hotel La Marquesa in Queretaro

Hotel La Marquesa in Queretaro

Innenhof im Hotel La Marquesa

Innenhof im Hotel La Marquesa

Schräg gegenüber liegt der Neptunbrunnen aus dem Jahr 1797, einem der berühmtesten der Stadt, wo mit der Kirche des ehemaligen Klosters Santa Clara gleich eine weitere Sehenswürdigkeit liegt. Bemerkenswert ist hier die Kollektion barocker Votivbilder. Die Kanzel, Tribüne und Chöre der Kirche zählen wegen ihres barocken Schmucks zu den schönsten in Mexiko. Weitere Attraktionen sind das Kunstmuseum von Querétaro (Museo de Arte de Querétaro, Allende Sur) , das im ehemaligen Augustinerkloster San Agustín untergebracht ist, einem der bedeutendsten Barrockklöster Amerikas. Sehenswert ist hier besonders die Kollektion mit Werken kolonialer Maler, darunter so bedeutende wie Miguel Cabrera und Cristóbal de Villalpando.

Besonders interessant ist auch die Fassade der Kirche des ehemaligen Klosters San Felipe Neri, errichtet zwischen 1786 und 1805 (Madero, Ecke Melchor Ocampo). Miguel Hidalgo zelebrierte hier die erste Messe. Vielleicht mögen Sie keine Kirchen und Klöster mehr sehen, aber das Museum der Stadt Querétaro im Ex-Convento de San José de Gracia ist ein Muss. Abgesehen davon, dass die wunderschönen Malerereien in der Kirche sehenswert sind, aber im ehemaligen Kloster war das letzte Gefängnis von Kaiser Maximilian von Habsburg, das Sie besuchen können. Eine Kirche, die auch noch einen Besuch wert ist, ist die des ehemaligen Klosters Santa Rosa de Viterbo (Arteaga, Ecke Ezequiel Montes), die mit ihrer Kuppel und ihrem Turm ein außergewöhnliches Beispiel für die koloniale Architektur in Querétaro ist, ein echtes Juwel der barocken Baukunst. Der maurische Einfluss ist hier unübersehbar. Die Kanzel ist ein einzigartiges Meisterwerk.

Das Ex-Konvent San Francisco in Querétaro

Das Ex-Konvent San Francisco in Querétaro

Quiosco im Jardín Zenea

Quiosco im Jardín Zenea

Der zweite Rundgang durch Querétaro beginnt außerhalb des Historischen Zentrums auf dem Hügel Sangremal, wo das Mausoleum der Corregidora thront, bekannt auch als der Friehof der illustren Queretaner. Im 1840 bis 1847 errichteten Mausoleum ruhen die Gebeine der doña Josefa Ortíz de Domínguez, ihres Mannes und weiterer Helden des Unabhängigkeitskampfes. Nicht weit vom Mauseoleum liegt mit der Kirche Santa Cruz eine der ältesten der Stadt. Hier wurde im 17. Jahrhundert das Apostolische Kolleg Colegio Apostólico de Propaganda Fide gegründet, das erste in Amerika, von wo aus die Evangelisierer der spanischen Eroberer in den Norden Mexikos, nach Nicaragua und Honduras strömten.

Von hier hat man einen fantastischen Blick auf den Aquädukt, der zwischen 1726 und 1735 auf Bitten der Kapuzinerinnen gebaut wurde. Mit seinen 74 durchschnittlich 23 Meter hohen Bögen und einer Länge von 1280 Metern ist er eines der größten Bauwerke Mexikos.

Kirche und Ex-Konvent Santa Cruz

Kirche und Ex-Konvent Santa Cruz

Zelle von Maximilian von Habsburg

Zelle von Maximilian von Habsburg

Wenn man schon mal in Queretaro ist – als Europäer zumal und Österreicher erst recht -, dann sollte man einen Besuch auf dem Cerro de la Campana auf keinen Fall auslassen. Der Hügel liegt schon etwas außerhalb der Stadt, ist Nationalpark und eines der Wahrzeichen von Querétaro. Hier wurde Maximilian I. von Habsurg 1867 standrechtlich erschossen. Ein kleines Museum und eine von der österreichischen Regierung gespendete Kapelle erinnern an das traurige Schicksal des von Napoleon III. enstandten Erzherzogs und Kaisers von Mexiko.

Das Wahrzeichen von Querétaro: Der Aquädukt

Das Wahrzeichen von Querétaro: Der Aquädukt

Archäologische Stätte El Cerrito

Archäologische Stätte El Cerrito

Vom Cerro de la Campana aus kann man noch einen Abstecher zur Archäologischen Stätte El Cerrito machen, die über die mautfreie Fernstraße nach Celaya (die Verlängerung der Avenida Constiuyentes) zu erreichen ist. Die Stätte ist noch relativ unberührt und man weiß wenig über sie, außer dass sie eine der ältesten Zeremonienstätten in der Gegend ist und ihre Blütezeit nach dem Fall von Teotihuacán erlebte. Bisher ist nur ein Bruchteil freigelegt. Auf der obersten Plattform stehen noch die Reste eines herrschaftlichen Hauses, das sich der Besitzer des Grundstücks vor wenigr als 100 Jahren hier gebaut hatte – ein Zeichen der damals noch weithin üblichen Geringschätzung des prähispanischen Erbes.

Etwas länger in Querétaro zu bleiben, kann auch für Gourmetfreunde eine große Bereicherung sein. Wenn man genügend Essenspausen einlegt, sind die Rundgänge durch Querétaro auch kulinarisch ein Genuss. Das eindrucksvolle Haus der Fünf Innenhöfe (Casa de los Cinco Patios, Andador 5 de Mayo) beherbergt gleich drei bemerkenswerte Restaurants und Bars: Das Restaurant Bar Galería Museo San Miguelito, in dem 90 Prozent der Gegenstände wie Tische, Stühle, Geschirr etc. von den Gästen gekauft werden kann; La Antojería, das die Spezialitäten der queretanischen Küche bietet, und La Viejoteca, eine total verrückt und mit unterschiedlichsten Behältnissen von Apothekergläsern über Konservendosen bis Kosmetiktiegel dekorierte Bar. Ein gemütliches, heiter mexikanisches Ambiente bei hervorragender einheimischer Küche bietet das Restaurant Fin de Siglo (Hidalgo 1).

Das  Restaurant Fin de Siglo

Das Restaurant Fin de Siglo

Im Restaurant 1810 an der Plaza de Armas

Im Restaurant 1810 an der Plaza de Armas

Das Restaurant Harry’s, ein Ableger des berühmten Harry’s in New Orleans, ist derzeit der Hit in Mexiko und steht seinem Vorbild in nichts nach. Geboten wird kreolische Küche (es gibt noch einen Ableger in San Miguel de Allende). Für junge Nachteulen empfehlen sich die „In“-Nachtbars, Lounges und Diskotheken auf der Loma Dorada (Goldener Hügel)zwischen dem Boulevard Bernardo Quintana und Constituyentes: La Chabela, La Botica, Furia Norteña und Will Club.

In der Altstadt gibt es neben Casa de la Marquesa eine Reihe sehr schöner Hotels in alten Mauern, darunter das Boutique-Hotel Doña Urraca (5 de Mayo 117), das einen herrrlichen Garten und einen Swimmming Pool hat, die Hotels Quinta Santiago (Balvanera 4), Mesón del Alfarero (Hidalgo 71), Grand Hotel Querétaro (einziges komplettes Nichtraucherhotel in Querétaro), El Mesón de Santa Rosa (Constituyentes Oriente 2) und Mesón de la Merced (16 de Septiembre). Wer nicht in der Stadt übernachten möchte, der ist in der Hacienda Jurica – eine Hazienda aus dem 16. Jahrhundert nicht weit vom Cerro de la Campana – bestens aufgehoben.

Juriquilla – Der Geheimtipp für Feinschmecker und Genießer

Am nördlichen Stadtrand liegt mit dem Golf-Hotel Misión Querétaro Juriquilla (Blvd. Villas del Mesón No. 56, Col. Juriquilla) ein weiteres fantastisches Hazienda-Hotel zum ausspannen. Das dritte Hazienda-Hotel in der Umgebung ist Hacienda Jurica Querétaro. Von hier ist es nicht mehr weit zum Stausee Juriquilla, und wer sich hierher verirrt, landet plötzlich in einer ungewöhnlich herrschaftlichen, modernen und eleganten sauberen (Vor)stadt. Industriegebiet und Flughafen liegen praktischerweise nicht weit, und der 18-Loch-Profi-Golfplatz auch nicht. Hier haben sich reiche Mexikaner und Ausländer ein Rückzugsgebiet geschaffen, das seinesgleichen sucht. In unmittelbarer Nähe sind Ableger der besten Privatuniversitäten Mexikos angesiedelt. Wer hier wohnt, darüber wird nur gemunkelt. Tatsache ist, dass Querétaro von der Organisierten Kriminalität bisher verschont geblieben ist.

Der Gourmettempel am Stausee in Juriquillo

Der Gourmettempel am Stausee in Juriquillo

Centro Gourmet Nautico in Juriquilla

Centro Gourmet Nautico in Juriquilla

Ein Ausflug nach Juriquilla – etwa 30 Minuten vom Zentrum Querétaros entfernt – lohnt sich. An der Marina liegt mit dem Centro Gourmet Nautico ein Feinschmecker-Restaurant, in dem Felice Onofrietti das Sagen hat. Der Name klingt italienisch, ist er auch – aber der sympathische Gastronom spricht Deutsch wie ein Deutscher. Wie das kommt? Der Arzt wurde in Dortmund groß, studierte auch in Deutschland, ging dann nach Mexiko und machte zunächst im mexikanischen Pazifikbadeort Ixtapa-Zihuatanejo ein Gourmet-Restaurant auf. Nun ereilte ihn der Ruf nach Juriquilla. Innerhalb kürzester Zeit hat es es geschafft, dass Gäste selbst aus dem relativ fernen (mehr als 230 Kilometer immerhin) Mexiko-Stadt ans Ufer des Stausees kommen, um sich von Felices hervorragenden Chefs verwöhnen zu lassen.

Felices Weinstube in Juriquilla

Felice (rechts) in der Weinstube

Biercocktails in der Bar vom Centro Nautico Juriquilla

Biercocktails in der Bar vom Centro Nautico Juriquilla

Eigentlich sind es drei Restaurants: Ein italienisches, ein argentinisches und ein mexikanisches, das im Dezember 2010 offiziell eröffnet wird. Im Zentrum steht eine fantastische Bar mit riesigem Bildschirm. Spezialität: Cocktails aus Bier, die sehr erfrischend sind, wie zum Beispiel eine Gringa Libre: Dunkles oder helles Bier, Limonensaft, Coca-Cola und weißer Rum. Klar, dass Felice hier auch eine gekühlte Top-Weinstube eingerichtet hat, in der auch Weinproben organisiert werden. Früher, erzählt Felice, haben sich die drei Besitzer bekriegt und buhlten um die Gäste. Die Zeiten sind vorbei, nachdem Felice sie dazu überredet hat, doch zu fusionieren. Seitdem brummt der Laden (beziehungsweise brummen die Läden) und alle sind glücklich.

Viele Rundreiseprogramme (Mexiko Kolonial zum Beispiel) haben auch einen Stopp in Querétaro vorgesehen, bevor es weitergeht nach San Miguel de Allende und Guanajuato. Dabei lohnt es sich, für Querétaro mindestens zwei Tage und eine Übernachtung einzuplanen. Magisches Mexiko bieten Ihnen individuell organisierte, ganz auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Rundreisen an.

Über Herdis

Die deutsche Journalistin und Autorin Herdis Lüke hat Mexiko zu ihrer Wahlheimat gemacht. Das erste Mal lebte sie bereits von 1974 bis 1976 und von 1978 bis 1986 in Mexiko. Auch während ihrer 20 Jahre als Journalistin in Hamburg hat sie Mexiko immer wieder besucht und darüber geschrieben - als Autorin u. a. in den Mexiko-Travelnews. Seit 2006 lebt sie wieder permanent in Mexiko.