Weihnachten in Mexiko: Gigantische Krippen, gigantischer Verkehr

Von Herdis Lüke

Mexiko-Stadt, 11. Dezember 2011 (MTN) - Die Weihnachtszeit gehört in Mexiko zur schönsten im Jahr. Vom 16. bis 24. Dezember finden jeden Abend die traditionellen Posadas (Posada bedeutet Herberge) statt, bei denen die Wanderschaft und Suche der Heiligen Familie nach Obdach mit Gesang nachgestellt wird. Anschließend wird gefeiert: So genannte Piñatas (gefüllte Ton- oder Pappmachésterne) werden mit Süßigkeiten, Nüssen und Obst gefüllt. Mit verbundenen Augen sollen die Teilnehmer – vor allem Kinder – die Piñata mit einem Stock zerschlagen. Serviert wird dabei auch der traditionelle Punsch aus Früchten (Guave, Apfel, Orange und Zuckerrohr). Erwachsene tun sich gerne auch einen Schuss Rum mit rein.

Die traditionelle Piñata kommt ursprünglich aus Spanien. Sie hat sieben Zacken, die die sieben Todsünden repräsentieren. Die knalligbunten Farben symbolisieren die Versuchung. Der Stock, mit dem sie zerschlagen wird, steht für den Kampf des Menschen gegen das Böse und der Inhalt bedeutet die Liebe Gottes, mit dem die Menschen dann belohnt werden.

Traditionelle Piñata anWeihnachten. Foto: mex4you

Traditionelle Piñata . Foto: mex4you

Krippe am Paseo de la Reforma. Foto: mex4you

Krippe am Paseo de la Reforma. Foto: mex4you

Die Weihnachtszeit ist damit auch der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres, wenn Unternehmen wie Familien und Freunde zu den traditionellen Posadas einladen – normalerweise enden diese auch in ausgiebigen Parties. Der Dezember und die erste Januarwoche sind daher die ungünstigsten Wochen, um geschäftlich in Mexiko etwas zu erreichen. Ab Mitte Dezember fliegen üblicherweise alle aus in die Weihnachtsferien.

Heute sieht man überall Weihnachtsbäume – in allen Größen und immer fantasievoll geschmückt. Die eigentliche mexikanische Weihnachtstradition sind jedoch die Krippen. Sie werden – je nach Ort, finanziellen Mitteln und Geschmack – in fantasievoll angelegten Landschaften aufgestellt, die nicht nur zuhause, sondern auch in Straßen und Stadtvierteln aufgebaut werden. In Mexiko-Stadt wurde in diesem Jahr die größte Krippe der Welt auf dem Parkplatz des Aztekenstadions aufgebaut (Fotos finden Sie hier). Mit mehr als 1000 lebensgroßen Figuren, einige davon sogar robotorisiert, gekleidet in historische Gewänder, und einer Wüstenlandschaft hat es die Krippe auch ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Bis zum 15. Januar 2012 ist diese einmalige Ausstellung zu sehen.

Bürgermeister Marcelo Ebrard und Frau eröffnen größte Weihnachtskrippe der Welt. Foto: comsoc DF

Bürgermeister Marcelo Ebrard und Frau eröffnen größte Weihnachtskrippe der Welt. Foto: comsoc DF

Bürgermeister Marcelo Ebrard und seine Frau in der größten Krippe der Welt in Mexiko-Stadt. Foto: comsoc DF

Bürgermeister Marcelo Ebrard und seine Frau in der größten Krippe der Welt in Mexiko-Stadt. Foto: comsoc DF

In Mexiko-Stadt zieren rote Christsterne, die ihren Ursprung auch in Mexiko haben, den Mittelstreifen am Paseo de la Reforma vom Chapultepec-Park bis zum Periférico. Ein Hingucker ist auch die Weihnachtsdekoration vor der Zentrale der HSBC-Bank am Engel der Unabhängigkeit am Paseo de la Reforma.

Rote und weiße Christsterne zieren die HSCB-Zentrale am Paseo de la Reforma. Foto: Herdis Lüke

Rote und weiße Christsterne zieren die HSCB-Zentrale am Paseo de la Reforma. Foto: Herdis Lüke

Die Eispiste 2011 auf dem Zócalo in Mexiko-Stadt: Immer wieder eine Attraktion für die Mexikaner. Foto: Herdis Lüke

Die Eispiste 2011 auf dem Zócalo in Mexiko-Stadt: Immer wieder eine Attraktion für die Mexikaner. Foto: Herdis Lüke

Der Heiligabend wird dann im Kreis der Familie gefeiert. Das Essen beginnt hier üblicherweise erst um Mitternacht – und danach gibt es auch erst die Geschenke. Traditionelles Weihnachtsessen sind “Romeritos”, eine Art schwarze, der Mole ähnliche Soße mit getrockneten Krabben, häufig inzwischen auch der Truthahn nach amerikanischem Vorbild und der Stockfisch (“Bacalao”) nach ursprünglicher spanischer Tradition, den es schon Wochen vor Weihnachten in den Supermärkten zu kaufen gibt – man braucht nur dem Geruch zu folgen, um ihn zu finden.

Originell ist auch der von Kunsthandwerkern gefertigte Weihnachtsschmuck – vor allem bunte Kugeln und Körbe aus Stroh, Hanf und getrockneten Maisblättern, Engel, Kerzen, Nikoläuse oder Tiere aus buntbemaltem Blech. Die schönsten Weihnachtsartikel findet man in Mexiko-Stadt  im Markt von Coyoacán, in der Ciudadela im Zentrum und auf dem Bazaar Sábado in San Angel.

Weihnachtsschmuck aus Hanf: Weihnachtsbäume am Terminal 3 des Airports von Cancun. Foto: Herdis Lüke

Weihnachtsschmuck aus Hanf: Weihnachtsbäume am Terminal 3 des Airports von Cancun. Foto: Herdis Lüke

Ein Hingucker: Die künstliche Schneelandschaft vor der HSBC-Zentrale am Paseo de la Reforma: Foto: Herdis Lüke

Ein Hingucker: Die künstliche Schneelandschaft vor der HSBC-Zentrale am Paseo de la Reforma: Foto: Herdis Lüke

Einen großen Nachteil hat die Vorweihnachtszeit in Mexiko-Stadt und anderen großen Städten in Mexiko: Die Menschen übervölkern Einkaufszentren und die jeweiligen Stadtzentren. Der Verkehr ist fürchterlich – den ganzen Tag über, und abends geht der Stress wegen der vielen Feiern weiter. Alkoholkontrollen sind übrigens in Mexiko-Stadt sehr streng und die Polizei kennt kein Pardon: In mexico City zum Beispiel geht es für 24 Stunden in den eigens für Verkehrssünder eingerichteten “Knast”, den im Volksmund genannten “Torito”.

Das Motto, unter dem die Hauptstadt die Weihnachtszeit feiert, nennt sich “La Magia de la Navidad” – der Zauber von Weihnachten”. Im vergangenen Jahr brachten die vielen Attraktionen in dieser Zeit – von Eispiste auf dem Zócalo über Umzüge und weihnachtichem Festival im Zentrum – Mexico City den Rang als eine der zehn attraktivsten Weihnachtsstädte der Welt ein. (hl)

Über Herdis

Die deutsche Journalistin und Autorin Herdis Lüke hat Mexiko zu ihrer Wahlheimat gemacht. Das erste Mal lebte sie bereits von 1974 bis 1976 und von 1978 bis 1986 in Mexiko. Auch während ihrer 20 Jahre als Journalistin in Hamburg hat sie Mexiko immer wieder besucht und darüber geschrieben - als Autorin u. a. in den Mexiko-Travelnews. Seit 2006 lebt sie wieder permanent in Mexiko.